Selten hat man sich so sehr auf ein neues Jahr gefreut, oder? Irgendwie hofft jeder auf einen Neustart, auf das Ende einer langen, manchmal unwirklichen Wartezeit. Für viele war 2020 ein trauriges Jahr. Sie verloren Angehörige oder Freunde an eine Krankheit, gegen die wir uns nicht schützen konnten. Viele erkrankten selbst, viele verloren ihre Arbeit und viele Menschen erlitten finanzielle Einbußen. Monate voller Stress und Angst prägten dieses Jahr. Dann endlich ein erster Impfstoff mit hoher Wirksamkeit. Inzwischen sind mehrere Präparate verfügbar und wie es aussieht, werden bis zum Sommer die meisten von uns diesen Schutz bekommen können. Vielleicht geht es auch schneller, indem das Wetter hilft oder das Virus ganz von alleine inkompatibel wird. Wie auch immer, meine Hoffnungen sind groß. Nach einem Jahr Stillstand, fange ich an ein paar Reisepläne zu machen. Alles noch sehr vage, ohne Termin. Mal sehen, ob London noch da ist.

Gelegenheiten gibt es in 2021 genug, denn einige runde Geburtstage können gefeiert werden. Vorneweg die Königin, die am 21. April ihren 95. Geburtstag feiert. Sie kam übrigens nicht im Buckingham Palace zur Welt, sondern in der Wohnung ihrer Eltern in Mayfair. Sie waren Nachbarn des Ritz Hotels in Piccadilly. Die große Party für alle, genannt ‚Trooping the Colour‘ findet dann am 12. Juni 2021 statt, wie immer auf dem Paradeplatz der Horseguards. Für mich fast ein Pflichttermin, feiere ich doch selbst an diesem Tag meinen Geburtstag. Zwei Tage vorher, am 10. Juni, wird Prinz Philip einhundert Jahre alt. Wie ich die Königin einschätze, wird sie an der Tradition festhalten, jedem Hundertjährigen Briten ein Telegramm zu schicken. Das kann sie ihrem Mann dann beim Frühstück über den Tisch reichen. Der Duke of Edinburgh ist bekanntlich in Griechenland, auf der Insel Korfu zur Welt gekommen. Im Juni 2021 gibt es also gute Gründe den Sektkorken knallen zu lassen.

 

Unvergessen. Die Queen fährt in Reichweite an mir vorbei und dreht sich im richtigen Moment zu mir um.

 

Nur ein paar Wochen später geht die Party im Kensington Palace weiter. Am 1. Juli 1961 kam Prinzessin Diana zur Welt, sie würde also in diesem Jahr ihren 60. Geburtstag feiern. Das nimmt man zum Anlass, um ein Statue in den Gärten des Palastes aufzustellen. Zuschauer sind willkommen und viele haben diesen Termin rot im Kalender eingetragen. Es ist nämlich geplant, dass beide Söhne anwesend sind. Ob auch Ehefrau Meghan aus Los Angeles anreist ist noch nicht bekannt. Ich bin gespannt, wie man die beiden nach so langer Zeit empfangen wird. Vermutlich eher kühl. – Übrigens wurde Diana im Park House in Sandringham geboren. Richtig vermutet, denn das gehört zum königlichen Schloß in Norfolk, wo man in ’normalen‘ Zeiten das Weihnachtsfest im Familienkreis feiert.

 

Der Kensington Palace ist fast klein im Vergleich zum Buckingham Palace. Hier leben William & Kate mit den Kindern. Der Garten geht nahtlos in den Hyde Park über. Dort sind bereits Erinnerungen an Prinzessin Diana aufgestellt worden. Deshalb passt ein lebensgroße Statue hier sehr gut hin.

 

Wer kein großer Fan der königlichen Familie ist, kann unter einigen Prominenten wählen, um einen virtuellen Glückwunsch abzuschicken. Einhundert Jahre werden neben dem Duke of Edinburgh auch Leute wie Peter Ustinov, Humphrey Littleton oder Peter Benenson. Littleton war ein Jazzmusiker (Klarinette und Trompete), der seinen größten Hit mit ‚Bad Penny Blues‘ feierte. Kennen Sie nicht? Doch, das markante Klaviersolo wurde von den Beatles übernommen und ist seit dem auch in ihrem Song ‚Lady Madonna‘ zu hören. Und der britische Anwalt Benenson war Gründer von Amnesty International. Sie alle kamen vor genau einhundert Jahren auf die Welt, aber nur Prinz Philip ist noch am Leben.

Unbedingt müssen wir uns an Mary Read erinnern, die am 28. April 1721 geboren wurde. Ich konnte mit ihrem Namen bisher auch nichts anfangen, habe dann aber gelernt, dass sie eine berühmte Piratin und Freibeuterin war. Hoffentlich erfahren wie mehr über diese Britin, die sich schon vor drei Jahrhunderten in einer Männergesellschaft durchsetzen konnte.

Schließlich wird man sich auch an das Jahr 1871 erinnern, denn davon trennen uns inzwischen 150 Jahre. Die Jahreszahl ist geläufig, denn damals endete der Deutsch-Französische Krieg mit einem Sieg der Preussen und eine kontinentale Großmacht entstand. Man pflanzte Friedenseichen, die die Zeit problemlos überstanden haben. Eine deutsche Eiche wird leicht über 200 Jahre alt, es sein denn man lässt sie nicht in Ruhe wachsen. – Im Mai 1871 kam auf der britischen Insel ein Mann namens John Herschel zur Welt. Er trug den Titel eines Barons und hatte genug Geld um sich mit Dingen wie der Astronomie zu beschäftigen. Dabei entdeckte er schließlich einen weiteren Planeten, der genau wie alle anderen die Sonne umkreist. Er gab ihm den Namen Uranus. Und noch ein Brite wurde im Sommer 1871 geboren. Er hiess Arthur Wynne und arbeitete als Redakteur bei einer großen Tageszeitung. Warum ich ihn erwähne? Man sollte ihn kennen, denn er erfand das Kreuzworträtsel. Wer diese Frage im Pub Quiz beantworten kann, ist der Held des Abends.

 

All I want for next year: Nach London reisen, keine Angst vor Ansteckung und viele nette Menschen treffen.

 

Ich werde dann noch ganz persönlich eine Kerze am 11. September anzünden, die ich meinem Ur-Ur-Ur … Cousin widmen werde. Er erblickte 1771, also vor 250 Jahren, das Licht der Welt und bekam von seinen Eltern den originellen Namen Mungo Park. Weil die Familie reich war und vom jüngsten Sohn nichts Spezielles erwartete, konnte er seine Träume ungehindert ausleben. So reiste er dann nach Afrika, wo er so einiges erforschte. Was nicht schwer war, denn der Kontinent war noch ziemlich unentdeckt. Die Familie Park ist irgendwie mit meinen Vorfahren verwandt und deshalb habe ich eine ganze Menge sehr weit entfernter Cousins und Cousinen in England, die meisten von ihnen lebten in London. Für mich ein Grund mehr sie mal wieder zu besuchen. Hoffentlich sehr bald im neuen Jahr. Ich wünsche allen Lesern ein HAPPY NEW YEAR und möge sich alles erfüllen, was Sie sich erträumen. 

Halt! Einen Namen darf ich nicht vergessen, an den wir uns erinnern sollten: Michael Bond wurde genau wie die Königin im Jahre 1926 geboren und würde also seinen 95. Geburtstag feiern. Leider starb er 2017 in London. Er hat sich mit seinen Geschichten über den Bären Paddington unsterblich in unsere Herzen geschrieben. Der Autor wohnte am Camden Canal, in der Nähe vom Regent’s Park, und obwohl er Weltruhm erreicht hatte, blieb er stets bescheiden im Hintergrund. Aufmerksame Kinobesucher haben ihn vielleicht im Vorspann zum Paddington Film entdeckt, als er uns vor einem Café sitzend, freundlich zuwinkt. Der stets freundliche Bär aus dem dunkelsten Peru traf bekanntlich am Bahnhof Paddington auf seine neue Pflegefamilie. Also hat man ihm dort ein Denkmal gesetzt. Und ganz im Sinne seines Schöpfers Michael Bond, wurde eine eher kleine Bronzefigur ausgewählt. Sie sitzt etwas versteckt am Rand des Bahnsteigs, ganz so wie es sich der Autor ausgedacht hatte. Ich brauchte einige Zeit bis ich Paddington gefunden hatte. Ein netter Bahnmitarbeiter half mir. Können Sie ihn auf dem Foto ausmachen? Falls nicht, dann klicken Sie auf das Bild.

 

Ein kleiner Bär im großen Bahnhof Paddington in London. Er hofft jemanden zu finden, der ihn zu sich nimmt. Können Sie ihn finden? Ein Klick auf das Bild hilft bei der Suche.