Es hat sich wohl herumgesprochen, dass London ein teures Plätzchen ist. Die Lebenshaltungskosten liegen mindestens dreißig Prozent über UK Durchschnitt, noch mehr zahlt der Londoner für seine Wohnung. Das macht sich dann auch in den Hotelpreisen bemerkbar, die Kosten für eine Übernachtung ohne Frühstück beginnen bei ca. 90 Euro und klettern schnell in Richtung 200 Euro. Es gibt Ausnahmen, beispielsweise Jugendherbergen, die schon unter 50 Euro ein Bett im Schlafsaal anbieten. Viel mehr darf man dort auch nicht erwarten. Ich bin nun sicher keine Expertin für die Hotels in London, dazu fehlt mir die Erfahrung, aber ich habe mich immerhin intensive mit dem Thema beschäftigt, bevor ich mir mein Zimmer buchte. Ich bin eigentlich überrascht, dass andere Reisende sich die Zeit nicht nehmen, aber nach Rückkehr sofort die Hotels im Internet heftig kritisieren und ihnen dabei Unrecht tun. Das ist oberflächliches Verhalten und unfair. Man sollte schon wissen, dass der Engländer (umständehalber) sich auf relativ kleinen Raum wohlfühlt. Deshalb sind Single Rooms oft nicht größer als 8 Quadratmeter. Wenn man Glück hat nimmt das Bett davon ein Viertel an Fläche ein, aber dann hat man schon ein King Size Modell im Zimmer. Der Engländer schläft auf kleinerer Bettstelle, ein Standard Doppelbett ist 1,35m x 1,90m. Neuerdings sogar nur 1,30 breit! Dazu gibt es eine Matraze und eine Bettdecke. Dem deutschen Ehepaar sind solche Betten wahrscheinlich fremd, man kann aber schlecht erwarten, dass die Engländer sich an die Gewohnheiten ihrer Gäste anpassen. Also genießen Sie die Nähe zum Partner oder bleiben Sie England fern.

 

London ist prachtvoll, luxuriös, hat Stil und Klasse. Sorry, lieber Camper, aber hier übernachtet man nicht im Wohnmobil, sondern im Luxushotel. Es müssen keine fünf Sterne sein, aber es sollte Wert auf Tradition legen. Wenn man ein bißchen sucht, wird man durchaus fündig, denn kaum eine Stadt hat ein solches Angebot an guten Häusern zu bieten. Jährlich kommen bis zu 18 Millionen Touristen und damit ist London weltweit das beliebteste Reiseziel.

 

 

Auch in Sachen Sauberkeit empfindet der Engländer nicht nach deutschen Maßstab. Natürlich kann man erwarten, dass ein Hotel die Hygiene und den Zimmerservice groß schreibt, aber der Engländer fühlt sich bei ‚preussischer Korrektheit‘ unwohl. Für ihn muß ein Hotelzimmer gemütlich sein, man muß sich dort wie zuhause fühlen. Kurzum es muß eine Seele haben und die kann man ganz schnell mit zuviel Ordnungssinn verjagen. Je günstiger das Hotel ist, desto eher müssen Sie mit typisch englischen Verhältnissen rechnen und die sind nun mal anders als die unseren. Wer günstig in London wohnen möchte, bereit ist auf Komfort zu verzichten, aber Wert auf Sauberkeit legt, dem kann ich die Hotelkette Premiere Inn empfehlen. Sie haben viele Häuser in zentraler Lage zu bezahlbaren Preisen. Vieles müssen Sie selbst organiseren, beispielsweise das Einchecken am Automaten und es findet sich auch nicht immer ein Restaurant (Frühstücksraum) in den Hotels, aber sie sind eine preiswerte Unterkunft in Central London. Es kommt ja auch ganz darauf an, ob man ein Wochenende oder drei Wochen dort verbringen will. 

Ich bin alleine nach London gereist und wollte dort viele Fotos machen. Mir war es wichtig, dass mein Hotel so zentral wie möglich liegt. Ausserdem brauchte ich zwingend einen großen Safe im Zimmer, denn meine Kamera, die Objektive und der Laptop sind hochwertig und können nicht unbeaufsichtigt herumliegen. Es war klar, dass ich viel unterwegs sein würde und deshalb war die Verpflegung für mich unwichtig; ich würde unterwegs essen. Aber es sollte einen gemütlichen Platz geben, wo ich abends die Bilder auf den Laptop speichern konnte und wo ich nicht ganz alleine wäre. Mit etwas Suche im Internet (booking.com) fand ich dann das perfekte Hotel. Es war das Victory House direkt am Leicester Square gelegen. Perfekt, denn der Trafalgar Square liegt nur wenige Minuten entfernt. Für das Einzelzimmer hätte ich 160 Pfund bezahlt, das allerdings nur mit beachtlichen Preisnachlass, denn das Hotel befand sich bei Buchung noch im Umbau. Ende August  wollte man fertig sein und meine Reise begann erst im Oktober. Das passte alles wunderbar. Und dann passierte es, ich hatte es fast schon geahnt, der britische Humor schlug zu und ich war sein Opfer. Man teilte mir 14 Tage vor Reisebeginn mit, dass man wohl doch nicht rechtzeitig fertig werden wird und ich deshalb nicht einziehen kann. Man bot mir einen Ersatz an, das Hilton am Bahnhof Paddington, aber das ist ein Massenhotel in deutlich schlechterer Lage. Meine Enttäuschung war riesig und nun mußte ich innerhalb von zwei Wochen ein anderes Hotel finden.

 

Inzwischen bin ich ganz froh, dass mir das Sofitel Victory House am Leicester Square eine Absage gegeben hat. Der Platz ist die Partymeile Londons, unmittelbar am Rand von Soho. Da wird es vor Mitternacht nie ruhig und wenn das Angebot auch bunt und verführerisch ist, so gehöre ich eindeutig dieser Altersklasse nicht mehr an. Dann schon lieber Covent Garden und Royal Opera House.

 

 

Der Schreck saß tief, dann aber fand ich innerhalb weniger Minuten einen Ersatz. Nein, das ist das falsche Wort, ich fand ‚mein Hotel‘. Ein wunderbares Haus in der Strasse Strand, auf der Nahtstelle zwischen Westminster und London City. Egal ob ich zur Tower Bridge ging, oder zum Palace of Westminster, alles liess sich bequem zu Fuß erreichen. Die Themse lag vor der Tür, der Trafalgar Square keine fünf Minuten entfernt. Abends schlenderte ich durch die Londoner City oder machte einen Besuch im Covent Garden, wo täglich bis abends das Leben zu finden ist. Das Hotel trägt zurecht den Namen Strand Palace Hotel und inzwischen bin ich dort Stammgast. Übrigens buche ich längst über die hoteleigene Webseite, was mir beachtliche Vorteile einbringt. Was das ist müssen Sie selbst herausfinden, denn die Angebote sind ein Dankeschön für treue Kunden. Und trotzdem würde ich Ihnen weder vom Victory House abraten noch das 372 Strand Palace dringend ans Herz legen. Ich weiß nicht, ob eine Familie mit Kindern sich dort wohlfühlen wird. Ich kann auch nicht sagen, ob eine eingefleischter Royal Fan unbedingt an diesem Ort wohnen muß, wenn doch rund um den Hyde Park ein Hotel neben dem anderen liegt. Und wer es nachts totenstill haben will, wird dort zumindest in den Zimmern zum vielbefahrenen Strand auch nicht glücklich werden. Also jeder sollte sich erst einmal darüber im Klaren werden welche Bedürfnisse er eigentlich hat. Was will er/sie in London machen, wieviel Hilfe braucht man, worauf kann man keinesfalls verzichten. Erst ganz zum Schluß setzt man sich sein Preislimit und dann beginnt dann die Suche auf den Angebotsseiten im Internet. Übrigens buche ich immer als erstes die Flüge, denn die Preise können an bestimmten Tagen auf ein mehrfaches steigen und reißen dann ggfs. ein unübersehbares Loch in die Reisekasse.

 

‚Mein‘ Hotel im Herzen Londons. Im Strand Palace Hotel fühle ich mich wie zuhause. Vier Underground Stations sind in der Nähe und ein Dutzend Busse halten vor der Tür. Das ist bequem und gleichzeitig komfortabel, also typisch englisch.

 

Bei meinem ersten Aufenthalt im Palace Hotel habe ich die einfachste Zimmerkategorie gebucht. Mir gefällt, dass alle Raumgrößen in drei Kategorien angeboten werden. Egal welche man nimmt, die Basics sind immer dabei. Dazu zählen: Professioneller Haartrockner, großer Zimmersafe, freies WLAN und Telefonie in UK, Shampoo, Bodysoap und -lotion. Kostenfreies Mineralwasser, Wasserkocher mit Tee und Kaffee für’s Zimmer, Flachbildschirm mit Satellitenempfang. Die hoteleigenen Restaurants, die Bar und das first class Frühstück mußte ich links liegen lassen, ich wollte Geld sparen. Aber die 4 Sterne Atmosphäre und das erstklassige Personal stand mir genau so zur Verfügung, wie dem Gast in einer der großen Suiten. Das fand ich sehr fair und lehrreich. Schon beim zweiten Besuch habe ich dann die Klasse gewechselt und mir das Executive Angebot genehmigt. Es war nicht sehr viel teuerer, aber jetzt konnte ich meinen Kulturbeutel gleich zuhause lassen. Im Bad fand sich alles was man für einen gepflegten Auftritt benötigt, inklusive flauschigen Bademantel und Slipper. Das Zimmer war deutlich größer, jetzt passte auch ein Sessel und ein Sofa hinein. Aber auch in der preisgünstigen ‚cosy category‘ sitzt man auf dem selben lederbezogenen Stuhl, wie in der höheren Klasse. Das gefällt mir und deshalb bin ich ein großer Fan dieses Hotels geworden. Sie bieten übrigens kostenlos eine wunderschöne und vor allem äußerst nützlich Smartphone App mit dem Namen ‚Strand Palace Hotel‘ an. Die ist vorbildlich und hilft beim London Besuch weiter. Man hat einen Stadtplan mit Navifunktion, erfährt wo man was in der Nähe kaufen kann und kann im täglich aktualisierten Kalender erfahren, was auf Londoner Bühnen etc. gezeigt wird. Als Hotelgast kann man dann natürlich den Concierge Service in Anspruch nehmen und wird nicht nur Tickets sondern auch unbezahlbare Tipps bekommen. 

 

Das Strand Palace Hotel in London
Abends ist die The Strand voller Leben. Erst gegen Mitternacht wird es ruhig. Ich habe trotzdem wunderbar geschlafen, denn mein Zimmer lag an einem der Innenhöfe und ich war vom Tag stets totmüde, so dass ich immer wie ein Stein schlief. Trotz geöffneten Fensters. Die sind übrigens ganz englisch, nämlich zum Schieben. Ich mag das, es hat Charme und schließlich bin ich London, um mal andere Erfahrungen zu machen.

 

Mein Fazit: Ja, die Hotels in London sind teuer, genau wie das Essen, Trinken und Einkaufen. Wer sich die Zeit nimmt und sich engagiert informiert, findet trotzdem eine bezahlbare Unterkunft, die perfekt auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist. Allerdings muß man sich gedanklich schon so weit bewegen, dass man diese erst einmal definiert. Nein, sie werden von keinem Hotel angeboten, denn auch wenn sich die Mitarbeiter dort sich alle Mühe geben die Gäste zu verwöhnen, können sie doch nicht ihre Gedanken lesen. Und das ist gut so, denn ein wichtiges Kriterium ist die Sicherheit. Sie sollte großgeschrieben werden. Suchen Sie also mal auf der Hotelwebseite nach den ‚policies‘. Mir ist es wichtig zu wissen, welche ethischen Prinzipien in dem Hause gelten. Was tut man zur Verbesserung des Umweltschutzes und welche Arbeitsbedingungen gelten für das Personal. Ein gutes Haus wird diese Dinge wichtig nehmen und natürlich darüber öffentlich informieren. Das gilt ganz besonders für UK, die diesbezüglich vorbildlich organisiert sind. 

 

Auch in der einfachen Zimmerkategorie wohnt man gemütlich. Die Dusche war groß, das ganze Bad blitzblank, die Handtücher neu und flauschig. Genial sind die Holz-Vorhänge, die man vor das Fenster schieben kann. Ich fühlte mich in dem kleinen, aber gemütlichen Raum vom ersten Moment an wohl. Das Bett war groß und sehr bequem. Zwei Kopfkissen und eine warme Bettdecke. Ein großer Wandschrank mit Tresor stand für meine Sachen zur Verfügung. Frisches Mineralwasser wurde mir täglich hingestellt. Was will man mehr? Ich bin mit dem Preis-Leistungsverhältnis des Strand Palace Hotels sehr zufrieden.