Ich hatte mich im letzten Beitrag nicht geirrt. London ist zur Zeit tatsächlich eine einzige große Baustelle. Es fing schon im Hotel an. Man hat mich zwei Tage (!) vor Ankunft darüber informiert, dass das komplette Erdgeschoss, also die Eingangshalle, renoviert wird. Nun gut, sagte ich mir, irgendwann müssen sie es ja mal machen. Als ich dann aber vor Ort merkte, dass auch die Türen tagelang blockiert waren, bekam ich es mit der Angst. Ich fragte den Guest Relations Manager was passieren würde, wenn ein Feuer in der Nacht ausbricht und bekam statt einer Antwort nur ein bedröppeltes Schweigen. Ein Fehlalarm hätte genügt, um Panik entstehen zu lassen. Wir saßen nämlich in einer Falle, mit einem einzigen funktionierenden Treppenhaus. Meine schriftliche Anfrage an das Strand Palace Hotel blieb unbeantwortet. Das hat mich ziemlich geärgert und deshalb mußte ich mir hier mal Luft machen.

 

——————  NACHTRAG  ————————

Wat mutt, dat mutt, sagt der Hamburger und gibt zu, wenn er sich geirrt hat. Gestern bekam ich eine Mail vom Hotel. Ein langer, freundlicher Brief, indem man detailliert auf meine Fragen und Sorgen einging. Ein sehr versöhnliches Schreiben über das ich mich wirklich gefreut habe. Das Strand Palace Hotel ist mir längst zum zweiten Zuhause in London geworden und immer fühlte ich mich dort gut beschützt und respektiert. Nun zeigt sich, dass meine Einschätzung richtig war, denn die Qualität eines Hauses erweist sich doch gerade dann, wenn doch mal etwas schief gegangen ist. Jetzt kann ich ehrlichen Herzens meine Bewertung abgeben und die ist eine glatte Eins oder fünf leuchtende Sterne.

Wer mehr über meine Erfahrungen in diesem Hotel wissen möchte, kann es in meinem Covent Garden Blog nachlesen. Dort habe ich alle ‚Hot Spots‘ in diesem Areal beschrieben und dazu gehört natürlich auch das Hotel.    ==> https://heart-of-london.uk

Das macht ihnen keiner nach. Das Strand Palace Hotel, mit fast 800 Zimmern, hat eine Total-Renovierung im laufenden Betrieb durchgeführt.

 

Der Westminster Palace ist seit einigen Monaten eine Großbaustelle. Big Ben verhüllt sich seit zwei Jahren unter Bauplanen. Inzwischen wurden auch Teile des Buckingham Palace eingerüstet. Diese  Arbeiten werden alle noch Jahre andauern. Man hat es lange hinausgezögert, aber nun sind die Gebäude teils sogar Einsturz gefährdet, teils so marode, dass man bald nicht mehr sanieren kann. Brandgefahr kommt hinzu, denn die Technik ist völlig veraltet und in einem kritischen Zustand. Als ich vor der Fassade des Westminster Palastes stand, fragte ich mich, wo man all die Baugerüste hergenommen hat. Noch während ich in London bin, mich auf eine neue unruhige Nacht im Hotel vorbereite, wo die Fluchtwege noch immer verschlossen sind, zeigt das TV Breaking News:  Großfeuer in Notre Dame. 

 

Ein Blick unter die Dachkonstruktion des Westminster Palace zeigt den gewaltigen Bauaufwand. Gerüste so weit das Auge reicht. Rechts ein Detail der Baumasse, die deutliche Spuren des Verfalls zeigt.

 

Am Südufer der Themse fällt mir ein, dass ich endlich einmal ein Panoramafoto des Nordufers machen sollte. Dort stehen große Häuser am Victoria Embankment, zwischen Hungerford- und Waterloo Bridge. Ich wollte sie immer schon einmal auf einem Bild haben und nun ist eine gute Gelegenheit. Aber der Teufel steckt im Detail. Ausgerechnet das Shell Mex House ist komplett eingerüstet. Eigentlich prangt am Giebel die größte Uhr Londons, nun aber wirkt es eher wie ein Kunstwerk von Christo. Die Fassadenflucht ist trotzdem sehenwert, denn dort sind noch wenige Teile vom alten London in dieser Gegend erkennbar. Beispielsweise die Adelphi Terraces und der alte Savoy Palace, in dem heute das gleichnamige Hotel residiert.

 

 

Drüben, am Nordufer, wird ebenfalls emsig gebaut. Bis dorthin haben sich inzwischen die Ingenieure der größten Londoner Baustelle vorangearbeitet. Man sieht nix von ihnen, denn sie sind unterirdisch tätig. Sie verlegen den gigantischen Abwasserkanal, der die Themse künftig vor schmutzigen und verkeimten Sielwasser schützen soll. Eine lange Bretterwand sperrt die Großbaustelle ab. Die Fußgänger müssen auf die andere Strassenseite weichen. Von der Themse und dem Südufer ist nix zu sehen, beides wird von der Baustelle versperrt. Immerhin hat man eine Information an den Zaun angebracht. Das gefällt mir, denn ich bin neugierig.

 

Die Spitze des Shard lukt gerade noch über den Bauzaun. Dirket gegenüber die Hauptverwaltung der Shell. Von der Themse ist nichts zu sehen, aber ich kann garantieren, dass sie noch immer da ist.

 

Um zu Fotos zu kommen, die Häuser ohne Bauplanen und -gerüste zeigen, muß ich wohl meine Ziele ausweiten. Ich marschiere also über die Westminster Bridge hinaus nach Lambeth. Übrigens bei schönsten Wetter, der Aufenthalt was durchaus wieder spannend und lohnenswert, was vielleicht in meinem Bericht nicht recht zum Ausdruck kommt. Der alte Lambeth Palace ist einen Blick wert, das Garden Café, in der daneben liegenden Kirche, immer einen Besuch wert. Hier wird ein wunderbares Frühstück serviert, leckeres Rührei mit Speck, unbeding empfehlenswert. Nach der Pause dort, marschiere ich über die Brücke, zurück zum Nordufer der Themse. Dem will ich dann bis zum Westminster Palace folgen. Aber kaum habe ich die Mitte der Lambeth Bridge erreicht, da sehe ich es schon vor mir: Großbaustelle. Ein Haus, keine Ahnung was dort untergebracht ist, ist komplett eingerüstet. Aber hier entdecke ich etwas ganz Neues. Man hat nämlich eines der betroffenen Gebäude mit einer sehr schicken Bauplane verhüllt. Sie zeigt auf raffinierte Weise, wie die Fassade nach den Arbeiten aussehen wird. Sie wird sehr schön werden und ich denke dann sollte ich unbedingt hierher zurückkommen. Das wird noch ein bißchen dauern, aber ich weiß jetzt schon, dass ich vormittags dorthin gehen werde. Warum? Ich sage nur ‚ham & eggs‘.

 

Ein eingerüstetes Haus am Nordzugang zur Lambeth Bridge. Man muß zweimal hinsehen, denn die Fassade ist auf die Bauplane gemalt. Ganz schön schlau, oder?