Als 2001 die Passiergiermaschinen in die Zwillingstürme in New York einschlugen, traute ich meinen Augen nicht. Wieder und wieder wurden die gefilmten Szenen gezeigt und doch schien es irreal zu sein. Später tat sich dann eine ganze Reihe von Fragen auf, die teilweise bis heute unbeantwortet blieben. Nicht nur ich zweifelte, ob es sein kann, dass selbst bei extrem großen Ereignissen manchmal getäuscht und getrickst wird? Hat die Mondlandung wirklich stattgefunden? Um den Verdacht zu entkräften, erzählte neulich ein deutscher Astronaut im TV, dass der sternenlose Himmel über dem Erdtrabanten auf den Fotos durch eine Überbelichtung zustande gekommen war, was mich dann doch ziemlich sprachlos machte. Wörtlich erklärt er, dass die Blende zu weit geöffnet wurde, was einem Raumfahrer auf dem Mond schon mal passieren kann. In diesem Fall eine glatte Lüge, denn das verwendete Kameramodell der Firma Hasselblad hatte nichts ausser einem Auslöser am Gehäuse. Wie man den mit einem dicken Handschuh bedient, ist mir auch nicht ganz klar. Aber wie man brillant scharfe Fotos in Serie aufnehmen kann, ohne einen Blick durch den Sucher zu werfen (die Kamera hatte keinen) und ohne die Möglichkeit Blende oder Belichtung einzustellen, ist ein Wunder bzw. ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn ein Fachmann dann von falsch gewählter Blende redet, dann ist das grober Unsinn oder schlicht ein Ablenkungsmanöver.

Eigentlich sollte ein Foto stets ein guter Beweis sein, denn man hat es darauf doch schließlich mit eigenen Augen gesehen. Bei dem nachfolgenden Bild kann ich sogar sagen, dass ich es selbst gemacht habe. Und doch kommen Zweifel, wenn man ein Bild wie dieses betrachtet. Es zeigt eine Boing 787, auch Dreamliner genannt, die auf direkten Kollisionskurs mit dem Shard Gebäude in London ist. Das Flugzeug ist ein dicker Brocken, es wird im Langstreckenflug eingesetzt, und ist auf dem Landeanflug nach Heathrow  wahrscheinlich etwas vom Kurs abgekommen. Oder täuscht das Bild? Ich habe nichts verändert, lediglich die Längsachse des Flieger eingezeichnet und damit den Weg deutlich gemacht, den die Maschine unweigerlich nehmen wird. 

 

 

Bei so einer Ausschnittsvergrößerung könnte der Verdacht aufkommen, ich hätte getrickst. Deshalb liefere ich das Originalfoto unbearbeitet mit; es ist hier zu sehen und lässt einem die Haare zu Berge stehen. Der Aufprall scheint unvermeidlich.

 

 

Nun ich kann beruhigen und versichern, dass nichts passiert ist. Ich bin mir auch absolut sicher, dass das Flugzeug alle Sicherheitsvorschriften eingehalten hat. Es fliegt zwar relativ knapp an dem  Wolkenkratzer vorbei, aber das ist nun mal die Route, die auf die Landebahn in Heathrow führt. Wahrscheinlich ist das Flugzeug sogar deutlich höher unterwegs, als die Spitze des immerhin gut 300 Meter hohen Shard Gebäudes reicht. Der Grund für die optische Täuschung dürfte im Aufnahmewinkel zu finden sein. Ich habe schlicht eine Position gewählt, die die wahre Distanz zwischen Haus und Flugzeug extrem verkürzt.

Das Shard (die Scherbe), eigentlich London Bridge Tower getauft, wird demnächst 7 Jahre alt. Bei der Eröffnung war es das höchste Gebäude in Europa. Wer einen Blick von dort oben auf die Stadt werfen möchte, kann das auf verschiedene Arten machen. Spielt das Geld keine Rolle, dann empfehle ich eine Übernachtung im 5-Sterne Hotel (34. – 52. Etage). Etwas günstiger kommt der Restaurantbesuch gleich da drunter oder man fährt auf die Aussichtsplattform (68. – 72. Etage), wofür man allerdings auch ein kostenpflichtiges Ticket braucht. Auf jeden Fall sollte man auf Tageszeit und Sonnenstand achten, denn dort oben findet man keinen Schatten. Wenn man Pech hat, dann steht man allerdings im Nebel, denn die Spitze ist hoch genug um auch von tiefliegenden Wolken eingehüllt zu werden. Das Premium-Ticket bietet übrigens eine Wettergarantie; bei Nebel darf man kostenfrei wiederkommen.

 

 

 

Das Shard ist schon ein Wunderding. Ich frage mich immer, wie die ‚hauchdünnen‘ Glasscheiben an der Turmspitze dem Wind trotzen können. Sogar Sturmböen richten keinen Schaden an. Ich will es nicht nachprüfen, denn solche gigantischen Bauten verursachen mir heftige Angstgefühle. Trotzdem freue ich mich natürlich an dem Wolkenkratzer, der die Bezeichnung wahrlich verdient. Ich schaue gerne von unten auf den schlanken Turm, beobachte die furchtlosen Fensterputzer, die winzig klein an der Fassade hängen und endlos viele Scheiben reinigen. Und dann gibt es fast immer noch eine extra Lightshow, sobald sich ein Anlass findet. Beispielsweise in der Weihnachtszeit, wenn der Turm alle fünfzehn Minuten in farbigen Licht erstrahlt und zur vollen Stunde das ganze Farbspektrum hoch über der Stadt präsentiert. Als die Renovierung von Big Ben begann, übernahm das Shard die Anzeige der Uhrzeit. Statt Glockenschlag konnte man nun pulsierendes, farbiges Licht am Südufer der Themse sehen. Und wenn man abends durch die menschenleeren Strassen der City geht, dann kommt es vor, dass auf einmal der Turm in ganzer Schönheit zu sehen ist, fast zum Greifen nah, obwohl er auf dem anderen Themseufer errichtet wurde.

Inzwischen ist der Financial District in der City of London, also das Hochhausviertel, beachtlich in die Höhe gewachsen. Ein Wolkenkratzer nach dem anderen wird dort hochgezogen. Die ehemaligen Türme, wie das Gherkin, sind inzwischen kaum noch zu sehen. Sie ducken sich zwischen den neuen Riesen. Es wird nicht mehr lange dauern und dann wird auch der Höhenrekord des Shard eingestellt werden. Noch verhandelt man, diskutiert über Mindestabstände zu Flugzeugen, aber die Pläne sind schon fertig. Der Turm an der Southbank wird einen Partner auf der Northbank bekommen und der wird dann in Augenhöhe seinen Platz einnehmen. Es gibt also ständig Neues zu sehen und gerade wenn man wie ich häufig in London ist, dann merkt man jedes Mal, dass diese Stadt permanent wächst und und ohne Frage höchst lebendig ist. Hoffen wir, dass das auch nach dem Brexit so bleiben wird.