Jetzt haben wir schon Oktober. Das Wetter ist herrlich, ein nicht endender (Altweiber-) Sommer. Ich kann mich noch erinnern, als die Corona Einschränkungen in Kraft traten. Das war Ende März. Prompt wurde das Wetter gut, die Sonne schien von morgens bis abends und ich verbrachte meinen ersten Lockdown auf dem Balkon. Herrlich, wie Ferien. Inzwischen habe ich selbst dazu keine Lust mehr, es fehlt etwas, und das ist Abwechslung. Die Tage werden eintönig. Man kann sie gar nicht mehr unterscheiden, wie zäher Brei. Aber dann passierte es. Die erhofften Neuigkeiten trudelten bei mir in Form einiger E-mails ein. Alle News hatten sich klammheimlich nachts in meine Inbox gelegt. Heute Morgen ein ungläubiges Augenreiben und dann ein herrliches Gefühl der Freude. Es wird wieder, es geht bergauf!

Die erste Botschaft kam vom britischen Parlament. Vom Sprecher des Unterhauses, Sir Lindsay Hoyle:

“Like everyone else, I have been looking forward to seeing the scaffolding come down on Elizabeth Tower – so the unveiling of the roof will be a memorable moment. We could all do with some good news in this Covid world, so it is very exciting to actually see some more of this great icon. I am hoping the conservation work that has taken place on the tower – an important symbol of our democracy – will assure its place in London’s skyline for generations to come.”

Sir Lindsay sprach natürlich von Big Ben. Endlich, endlich sind die Bauarbeiten so weit fortgeschritten, dass man anfängt Teile des Gerüstes abzubauen. Es war wohl eine Geduldsprobe für alle, denn man hat jede Schindel und jeden Stein ausgebaut, gesäubert, neu bemalt und befestigt. Aber es hat sich bestimmt gelohnt, denn schon vor Monaten, als eine Seite der Uhr sichtbar wurde, konnte man den Unterschied deutlich wahrnehmen. Die Farben leuchten jetzt wieder, das Gold glänzt in der Sonne. Noch ein bisschen abwarten und dann wird Big Ben in Gänze zu sehen sein und vor allem kann man ihn dann endlich wieder hören. Nach vier Jahren Stille ist es fast ein Wunder.

 

 

Christmas in London

Die zweite Mail war für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Die Royal Albert Hall wird ab Dezember wieder Konzerte mit live Publikum anbieten. Hurra. Ich habe es schon auf der Titelseite dieses Blogs als ‚Breaking News‘ veröffentlicht. Aber weil die Bilder so schön sind, zeige ich sie hier gleich noch einmal.

 

 

Steht es in den Sternen?

Könnte man doch nur wissen, wie es weitergeht. Wohin steuern wir? Wie lange wird uns das Virus noch beschäftigen. Nun, ob Sie es glauben oder nicht, aber so einen Terminplan gibt es durchaus. Der ist natürlich hoch geheim, aber es gibt ein paar Systeme, die ihn zeigen. Wer die Sprache kennt, kann in den ‚Büchern‘ lesen. Ich suche mir also die Ephemeriden aus, denn die kenne ich. Ein dicker Wälzer, der den ersten Eintrag am Tag des Urknalls machte und bis in alle Ewigkeit fortgesetzt wird. Mich interessiert aber nur die Seite, die den Oktober 2020 zeigt. Mein System ist die Astronomie, die kann ich lesen. Sie zeigt den Stand der Planeten, insbesondere drei davon sind Corona relevant: Saturn, Pluto und Mars. Seit Anfang des Jahres stehen Saturn und Pluto eng im Zeichen des Steinbocks beieinander. Sie sind sogenannte Langsamläufer, bewegen sich also kaum von der Stelle. Der Mars ist längst weitergezogen, steht jetzt aber im exakten 90-Grad Winkel zu den beiden Streithähnen. Wenn Saturn auf Pluto trifft, dann knallt Beton auf Granit. Sie sehen es überall, man streitet sich, kann keine Kompromisse finden, geht sich gegenseitig an die Gurgel. Aber keine Angst, alles wird sich beruhigen. Noch sind wir mitten drin, mitten im Schlamassel, aber bis Ende Oktober wird es sich lösen. Mars wandert aus und ganz langsam werden sich auch Saturn und Pluto trennen. Die Rückläufigkeit, die mehrfach in 2020 einsetzte, ist in wenigen Tagen endgültig vorbei. Es wird also keine Wiederholung, keine dritte Welle geben. Mitte November sollten sich dann deutliche Anzeichen für die so herbeigesehnte Entspannung zeigen. Kurz vor Weihnachten ist der Spuk, der sich zum Glück nur alle 500 Jahre im Zeichen Steinbock einstellt, vorbei. Ich lege mal das aktuelle Tageshoroskop und die Ephemeride für Interessierte bei. Beide Dokumente/Bilder lassen sich per Mausklick vergrössern.

 

 

Sie fliegen wieder!

Und dann entdeckte ich die beste Nachricht des Tages. Dank Internet kann man ja so ziemlich alles recherchieren. Natürlich auch aktuelle Flugpläne und das mache ich nun schon seit Wochen. Immerhin bin ich zweimal reingefallen, musste meine Tickets stornieren, weil die gekauften Flüge gar nicht stattfanden. In den letzten beiden Monaten sah es bei British Airways ganz düster aus. Erst reduzierte man den Flugplan auf einen Flug täglich, dann wurde noch einmal ausgedünnt. An diversen Wochentagen flog gar nix mehr. Für Oktober hatte man einen Neuanfang angekündigt. Täglich sollten zwei Flüge in beide Richtungen stattfinden. Und zum Glück nicht am frühen Morgen, sondern vor- und nachmittags. Und als ich das heute kontrollierte, da war der erste der beiden Flüge bereits gestartet und der andere wartete auf Freigabe. HURRA! Und so soll es täglich weitergehen. Damit kann ich leben, das Risiko würde ich buchen. Einziger Vermutstropfen sind die aktuellen Zahlen aus UK. Es hört sich wirklich schlimm an, man zählt täglich weit über 7.000 Neuansteckungen. Leider auch viel zu viele Todesopfer. Noch immer. Durchhalten liebe Engländer. Ich glaube nächste Woche spüren wir frischen Wind unter den Flügeln. Ich bin da ganz optimistisch. Schaut auf Big Ben und dann werdet ihr es fühlen. Egal wie lange es dauert, irgendwann geht jede Zwangspause zu Ende.