Temple Bar

Strand, London, WC2 / Fleet Street, London, EC4

Wo der Strand in die Fleet Street mündet, grenzt die City of Westminster an die City of London. Sie wird vom Griffin, dem Drachen, bewacht. Er schaut immer aus der Stadt heraus, nur so erspäht er rechtzeitig Feinde im Umland.

Es ist ein bißchen tricky mit der Temple Bar. Ich brauchte einige Zeit um alles richtig zusortieren, aber jetzt habe ich es verstanden und versuche es so einfach wie möglich hier weiterzugeben. Fangen wir mit der Location an, die am besten mit einem Blick in den Stadtplan erklärt werden kann.

Der Kreis markiert die Stelle, wo die Temple Bar steht und die lila Linie folgt der Grenze zwischen Westminster und der City of London. Seit alters her wird diese von Drachen bewacht, die man alle paar hundert Meter auf der ansonsten nicht sichtbaren Grenzlinie stehen sieht. Sie schauen alle aus der City heraus ins Umland. 

An diesem Grenzpunkt Westminster/City endet the Strand und heißt von da ab Fleet Street. Beide Straßen sind über ein Jahrtausdend alt und galten im Mittelalter als Highstreet von Westminster. Und da hatte man natürlich ein Stadttor errichtet, wo tagsüber kontrolliert wurde und das abends fest verschlossen wurde. Und dieses Tor hieß ‚Temple Bar Gate‘. Es hatte den großen Brand überstanden, mußte dann aber doch weichen. Ende des 19. Jahrhunderts war der Verkehr bereits so busy, dass die enge Tordurchfahrt für die Kutschen nicht reichte. Schweren Herzens wurde das Temple Bar Gate demontiert und an einen Privatmann verkauft, der es in seinem Park, weit außerhalb Londons, aufstellte.

Ganz ersatzlos wollte man aber nicht auf das markante Bauwerk an besonderer Stelle verzichten. Und deshalb wurde der britische Architekt Sir Horace Jones beauftragt ein kleineres Denkmal zu schaffen, dass man dort installieren wollte. Wahrscheinlich kennen Sie den Namen nicht, aber Jones ist ein bedeutender Mann gewesen, der u.a. die Tower Bridge plante. Erbaut wurde sie erst nach seinem Tod, aber die Pläne hatte er noch zu Lebzeiten bis ins Detail ausgearbeitet. Jones wußte sofort was zu tun war. Er mußte einen Drachen liefern, dass war an der Grenze zur City unverzichtbar. Und so legte er los und ließ ein ziemlich hohe, aber eher schlankes Denkmal bauen, dass noch heute mitten auf der Strasse, zwischen den Fahrbahnen steht, und noch immer den Verkehr am Fließen hindert. Macht nix, der Dragon, genannt Griffin, ist höchst willkommen. Aber schwer zu fotografieren, weil man nicht in seine Nähe kommt. Dieser Drache trägt noch immer den alten Namen, aber mit neuen Zusatz: Temple Bar Monument.

 

 

Das linke Foto zeigt eine Seite des Sockels, darin die Queen Victoria, die zur Zeit der Installtion regierte. Die Kanten sind reich geschmückt mit Dingen aus verschiedenen Bereichen. Man stellt auf diesen Seiten die Themen ‚war and peace‘ und ’science and art‘ gegenüber. Ein Inschrift über dem Kopf konnte ich lesen als: ‚Temple Bar – Formerly – Stood here – MDCCCCLXXX. 

Das rechte Foto führt uns zum alten Temple Bar Gate. Es kehrte nämlich nach London zurück und wurde Stein für Stein auf dem Paternoster Square wieder aufgebaut. Dieser Platz ist hinter der St Paul’s Cathedral, also gar nicht weit entfernt, und sehr gut gewählt, denn es ist eine Fußgängerzone. Man kann zu Fuß ganz bequem vom Temple Bar Monument zum -Gate gehen und zurück. Das ist gar kein Problem, aber leider längst nicht mehr so spannend wie vor dreißig Jahren. Damals war die Fleet Street das Pressezentrum Londons und jede Tageszeitung hatte hier ihre Redaktion. Die vielen Pubs, von denen einige noch immer geöffnet haben, waren Anziehungspunkt für Journalisten, Politiker, Intellektuelle, Schriftsteller und den einen oder anderen Promi. Dann wurde die computergesteuerte Druckmaschine erfunden und die Fleet Street blutete aus. In wenigen Jahren mußten alle Redaktionen ins Umland weichen, wo die Mieten günstiger waren. Die Journalisten lieferten per Internet und suchten nicht mehr die Nähe zum Drucker.

Bis heute hat die Fleet Street kein neues Thema gefunden. Sie ist irgendwie so mitten drin, zwischen Bankern in der City und Kaufleuten im Strand. Aber wer weiß, wenn jemand Ideen hat, dann sind es die Londoner. Und sie haben stets den Mut (und das Geld) ihre Stadt auch im großen Stil zu verändern und noch interessanter zu machen.

Griffin, der Drache, der jetzt an der Nahtstelle Strand/Fleet Street Wache hält, ist auf den nachfolgenden Fotos zu sehen. Er scheint recht agil zu sein. Manche halten ihn für angriffslustig, ich glaube er will nur spielen. Er ist relativ schlank, scheint jung zu sein, aber das täuscht. Sir Horace Jones hat ihn bereits im Jahre 1878 ausgebrütet und also ist Griffin jetzt auch schon stolze 141 Jahre alt. Wow, das ist bald ein Jubiläum fällig, oder?