Toi, toi, toi. Bisher klappte An- und Abreise immer gut. Nie strandete ich am Flughafen, wenn auch einmal nicht viel fehlte. Nun gut, es war im Januar und ausgerechnet der Tag, der einzige (!) der ganzen Saison, an dem in Hamburg Schnee fiel. Leider alles auf einmal und schon mußte die Startbahn gesperrt werden. Eine Armada von Räumfahrzeugen rückte aus, schob die weisse Pracht zur Seite und konnte nahtlos von vorne beginnen, wenn endlich das Ende der langen Startbahn erreicht war. Nach gut eineinhalb Stunden im Flugzeug, ging es dann doch noch los. Selten war ich froher, mir grundsätzlich die Business Class zu gönnen, denn dort wurden wir mit Essen und Trinken bei Laune gehalten. Auf den hinteren Reihen war man weniger entspannt.

Wenn ich nach London reise, bin ich immer froh, wenn ich den weissen Flieger mit dem Union Jack am Schwanz, entdecken kann. Die BA Maschinen haben kaum eine halbe Stunde Wartezeit in Hamburg, dann geht es schon wieder zurück. Wenn da irgendetwas schiefgeht, dann kommt der ganze Flugplan durcheinander. Aber an diesem sonnigen August Vormittag lief alles wie am Schnürchen. 

In Hamburg, auf dem Helmut-Schmidt Flughafen. Der BA Flieger parkt an der Gangway, gleich können wir einsteigen.

 

Pünktliches Boarding, dann werden die Türen geschlossen, das Sicherheitsvideo läuft an (ein saukomischer Film, typisch englischer Humor, alleine dafür sollte man mal mit ihnen fliegen) und schon dockte das Schleppfahrzeug am Vorderrad an. Dann wurden wir ganz sanft aus der Wartebucht geschoben, drehten ein wenig und rollten schließlich aus eigener Kraft zur Startbahn. Der Weg war sehr kurz, in London holpert man manchmal zehn Minuten über den Flughafen, aber Hamburg ist deutlich kleiner. Trotzdem gibt es auch hier zwei Start- / Landebahnen, die im rechten Winkel zueinander verlaufen, und sich genau mittig überschneiden. Natürlich ist immer nur eine geöffnet, je nach Windrichtung. Und deshalb stutzte ich, als wir bereits auf die breite Runway eingebogen waren, quasi in den Startblöcken standen, und just in dem Moment eine andere Maschine auf der quer verlaufenden Startbahn abhob. Komisch, dachte ich mir, hoffentlich wissen die was sie tun. 

Gerade wollte der Flugkapitän den Gashebel durchdrücken, da kam die Durchsage: „We apologize for the delay, but we think it would be better to choose a different runway. We have a thunderstorm in front of us that I don’t want to fly into.“ War das jetzt wieder einer der üblichen BA-Witze oder war es ernst gemeint? Denn draußen strahlte die Sonne, von Gewitter keine Spur. Wir rumpelten also über die Betonplatten und dann konnte ich es auf einmal sehen. Da war wirklich ein ziemliches düstereres Szenarion am Horizont, sehr begrenzt aber genau in Linie der vorherigen Startbahn. Das war knapp und ich dachte schon, der Pilot hätte sich verfahren. Natürlich nicht und ‚I apologize for any …‘.

 

Urplötzlich geht ein Gewitterregen nieder. Ganz begrenzt, aber direkt vor dem Flugzeug. Da sind unangenehme Turbolenzen zu erwarten und das mag niemand erleben.

 

Eine nette, passende Geschichte will ich gleich noch anfügen. Vor wenigen Tagen brach ein britischer Pilot den Start in Stornoway, Schottland, ab. Es sollte ein kurzer Flug nach Inverness werden, aber etwas war im Weg. Auf der Startbahn hatte der Mann einen jungen Igel entdeckt, der mit seinen kurzen Beinen nicht so schnell vorankam. So eine Runway ist breit und das dauert. Zum Glück saß ein Brite am Steuerknüppel und der kennt seine Prioritäten genau. Erst die Sicherheit, dann die Pünktlichkeit. Egal ob Passagier oder Igelkind. Es dauerte ein paar Minuten bis der kleine Anwohner auf der anderen Seite angelangt war, aber soviel Zeit nimmt man sich gerne, wenn es um Leben oder Tod geht. Gefällt mir.