Savoy

Strand, London WC2R 0EZ

Der Name des Hotels reicht. Man braucht kein ‚The‘ davor oder kein ‚Hotel‘ dahinter. Jeder weiß was gemeint ist, wenn er/sie Savoy hört und deshalb bedarf es auch keiner Hausnummer. Selbst Briefe mit: ‚Finest Hotel in Lodon‘ sind ohne Verzögerung zugestellt worden. Ja, das Savoy ist wohl ‚the finest in the city‘, wenn es inzwischen auch Häuser auf Augenhöhe gibt. Ich erwähne nur mal ‚The Ritz‘ oder ‚The Goring‘. Aber kein anderes Hotel kann mit einer so langen und interessanten Geschichte punkten wie das Savoy.

Mein Hotel, das Strand Palace Hotel, liegt genau gegenüber, auf der Nordseite des Strand, und ist wohl ähnlich groß und traditionsreich wie das Savoy, allerdings zahle ich für die Nacht nur ein Viertel des Preises, den ich beim berühmten Nachbarn hinlegen müßte. Deshalb kann ich leider nicht aus erster Hand berichten, ich habe das Savoy nie betreten und kenne es nur von außen. Und da beeindruckt es, jedenfalls von der Sahneseite, also dem Eingang.

Die Rückseite, der Lieferanten Eingang sieht nicht anders als in jedem anderen Hotel aus. Wer wie ich zu den schüchternen Menchen gehört und sich von all der prunkvollen Macht beeindrucken lässt, erdet sich schnell, sobald man das Haus umrundet. Vorne würde ich mich nicht trauen Fotos zu machen, aber dahinten ist es kein Problem.

Gleich neben dem Savoy, steht das Shell Mex House. Beide Gebäudekomplexe ziehen sich vom Strand runter zur Themse. Sie sind riesig und im Shell Mex House wurde mir vor etlichen Jahren sogar ein Arbeitsplatz angeboten. Blöd nur, dass ich damals ablehnte. 

Ich habe ein bißchen unfair angefangen, aber ich wollte mich von den üblichen Berichten über das Savoy absetzen. Was soll man denn über diese Hotel berichten, was nicht in den Bereich der Superlative führt? In der Gästeliste findet sich natürlich jeder, der reich, wichtig und prominent ist oder war. Ein Haus das zur Einweihung der neuen Küche Queen Mum gewinnen kann, muß nicht mit den Namen seiner Gäste punkten. Einer muß aber doch erwähnt werden, nämlich George Kessler. Er muß unendlich reich gewesen sein, Amerikaner, der im Jahre 1905 einen runden Geburtstag zu feiern hatte. Die Party sollte im Savoy steigen und durfte kosten was sie wollte. Der Gastgeber bestand auf ein paar Besonderheiten. Er wollte mit seinen Gäste in einer Gondel auf dem Wasser dinieren und deshalb wurde der Innenhof kurzerhand geflutet. Ich frage mich, warum Mr Kessler nicht nach Venedig eingeladen hatte, aber vielleicht habe ich seine Ambitionen missverstanden. Jedenfalls baute man das Hotel für den Abend in einen riesigen Swimmingpool um, besorgte sich einige lebende Schwäne von der Themse und los ging’s. Damit die richtige Stimmung aufkam, hatte man das Wasser mit einem Pulver eingefärbt. Nun leuchtete es türkis blau in den Unterwasserscheinwerfern. Wunderschön, sehr romantisch. Am nächsten Morgen dann der Schreck. Die Schwäne hatten sich inzwischen auch in türkis farbene Vögel verwandelt. Noch lange hat man sie mit blauer ‚backside‘ auf der Themse schwimmen gesehen.

Das Savoy scheint eine enge Beziehung zu Tieren zu haben. Natürlich kann man sein Haustier mitbringen, dass ist einzig eine Frage des Preises. Egal ob Pudel oder Boxer, der Hund wird ein fürstliches Bett bekommen. Einer hatte mal einen ausgewachsenen Geparden dabei. Das zahme Tier war sein Begleiter und er band es kurzerhand an den nächsten Lampenpfahl vor dem Hotel. Ein Page hielt in respektvollen Abstand Wache. Ein ganz besonderer Kater muß noch erwähnt werden. Er heißt Kaspar und ist Dauergast im Hotel. Obwohl Kaspar schwarzes Fell hat, gilt er als ‚Lucky Cat‘. Seine Auftritt kommt, sobald eine Gesellschaft von dreizehn Menschen sich zum Essen setzt. Dann wird automatisch für Kaspar ein vierzehnter Stuhl und natürlich auch ein vierzehntes Gedeck aufgelegt. Angeblich soll der Kater an der kompletten Speisefolge teilnehmen. Das wundert mich insofern, weil er aus Keramik gefertigt ist. Aber nun ja, die Engländer sind nun mal spleenig und finden es wahrscheinlich kaum erwähnenswert.