Gerne hätte ich den Beitrag mit ‚Heiliges Kanonenrohr‘ getitelt, aber ich fürchte, dafür lässt sich kein englisches Idiom finden. Interessanterweise nutzen Sie gerne das deutsche Wort im Text, statt den englischen Begriff ‚gun barrel‘ zu gebrauchen. Aber das nur nebenbei, denn es geht heute nicht um Kriegsschauplätze sondern, ganz im Gegenteil, um die Kirche. Genauer gesagt um das Münster in York. Eines dieser wunderbaren alten Bauten, die man überall in England finden kann. Alleine dafür lohnt sich das Mieten eines Autos, denn wenn man durch die mehr als liebliche Landschaft Südenglands braust, kann man mit einer architektonischen Überraschung hinter jeder Kurve rechnen.

 

Die katholische Kathedrale in York. Das sogenannte ‚York Minster‘. Ein gotischer Bau von enormer Größe.

 

Das York Minster gehört ganz sicher dazu. Und bevor mir jetzt jemand korrigierend schreibt, füge ich lieber noch hinzu: Die gotische Kathedrale von York liegt NICHT in Südengland. Oft finden sich dort Erzbischöfe zusammen ein und feiern dann gemeinsam, mit den Besuchern, den Gottesdienst. Gestern war so ein Tag, als der Archbishop of Canterbury, Justin Welby, seinen Kollegen aus York traf. Der Mann aus Canterbury (Südengland) muß sich beeilt haben, denn am Vortag war er noch in Windsor, um den kleinen Archie zu taufen. Top Secret Sache, bis jetzt kennt niemand die Namen der Taupaten. Was soll das? Lenkt man damit nicht die Aufmerksamkeit erst recht auf das Geschehen? Na gut, auch das ist nicht mein heutiges Thema. Also schnell zurück nach York.

 

Archbishop Justin Welby ist für die königliche Familie zuständig. Er nimmt die Trauungen vor und tauft die Kinder. Er scheint mir sehr sympatisch zu sein, steht mit beiden Beinen mitten im Leben. Als er vor wenigen Jahren herausfand, dass sein Vater nicht der leibliche Vater war, amüsierte er sich am meisten über das Geheimnis seiner inzwischen verstorbenen Mutter.

 

Wie überall auf der Welt wurde der Gottesdienst zur Geld-Kollekte genutzt. Der Sammelbeutel ging herum, wer nix reintut, fühlt sich unwohl, denn alle, inklusive Gott, haben es gesehen. Eine schwere Bürde, die man dann erst einmal mit sich herumträgt. Um die Peinlichkeit elegant zu umschiffen, ist es gut eine Ausrede parat zu haben. Etwas wie: „So sorry, I have no coins“, kann hilfreich sein. Ich nutzte es lange auf den Strassen, wenn irgendeine Charity mich um eine Spende bat. Neuerdings zücken die Sammler dann aber ihren Kreditkartenleser und dann steht man belämmert da. In London glaubt Ihnen nämlich kein Mensch, dass Sie keine Karte bei sich haben. Da vergisst man ja eher die Hose anzuziehen, denn die braucht man nicht zwingend, um den Tag zu überstehen.

Die Neuzeit hält Einzug, überall, ohne Gnade. Und so war es eigentlich abzusehen, dass auch die katholische Kirche ihr Bezahlsystem modernisiert. Ich staunte nicht schlecht als ich den Spendenteller sah. Ein hübscher goldener Unterteller, darauf eine weisse Schale mit einem Sensor für das kontaktlose Bezahlen. Auf dem Touch Display kann der Pfundbetrag durch Antippen wählen. Wenn das Geld erfolgreich abgebucht wurde, leuchtet eine grüne Diode auf. Alles sehr elegant, sehr schick. Und schon durchzuckt es erneut meine Gedankenkammer: Heiliges Kanonenrohr!

 

Foto Credit: Charlotte Graham