Das Wort ‚Verschlimmbessern‘ lässt sich nicht ins Englische übersetzen. Aber die Insulaner mögen es und nutzen es von Zeit zu Zeit im Original. Aktuell ist es gerade in aller Munde. Grund ist eine Modernisierung in der Downing Street. Eigentlich sind die Engländer dafür bekannt, sehr behutsam zu renovieren. Sie sind die Meister im Bewahren und Restaurieren. Man hält seine Sachen in Ordnung, aber man tauscht sie ungerne aus. Das gilt für Kleidung, Einrichtung und komplette Gebäude. Schuhe werden durchaus mehrere Jahrzehnte getragen und sehen stets wie neu aus. Das Geheimnis ist einfach. Man kauft handgefertigte Ware, zahlt dafür durchaus siebenhundert Euro und hat dann einen Schuh, der im Fall des Falles perfekt repariert werden kann. Er sitzt wie eine zweite Socke und sieht auch noch nach zehn Jahren ‚proper and decent‘ aus.

 

Diese Hausschuhe gehörten Sir Winston Churchill. Vermutlich hat er sie jahrzehntelang getragen. Jetzt wurden sie für viel Geld versteigert. Also Vorsicht beim Entrümpeln. Wer aber trägt heute noch Puschen mit eingestickten Monogramm??? Sehr bizarr, sehr britisch.

 

Ein gutes Beispiel für ein well-kept house bietet Downing Street. Es scheint sich dort nie etwas zu ändern, aber natürlich wird regelmäßig erneuert und renoviert. Der Charme steckt im alten Ambiente. Es sind die Holzvertäfelungen und die roten Teppiche, die den Charakter des Hauses bewahrt haben. Etwas anders sieht es wohl in den beiden Dienstwohnungen, in No 10 & 11, aus. Dort richtet sich jeder neue Mieter individuell ein. Und das bedeutet in turbulenten Zeiten, dass der Innendekorateur viel zu tun hat. In den letzten zwanzig Jahren lebten dort fünf Premier Minister und sechs Schatzmeister, alle mit Familie, inkl. Haustieren. Aktuell scheint sich aber mehr zu tun als in all den vergangenen Jahren. Die Lebensgefährtin von Boris Johnson scheint hohe Ansprüche zu haben und hat die Wohnungseinrichtung nach dem Einzug komplett ausgetauscht. Sie hatten keine hohe Meinung von den Möbeln, die Theresa May hinterlassen hatte. Sie meinte, es wäre alles billiger Ramsch. Angeblich sagte sie: „… we must get rid of the John Lewis furniture nightmare“. Starke Worte, denn ganz England kauft bei John Lewis ein, wenn man IKEA nicht so mag. 

 

So sieht es also in der Höhle des Löwen aus. Der Chef hat die Füße auf dem Schreibtisch, die Mitarbeiter stehen im Hintergrund, warten auf Befehle. Mir imponiert das nicht, ich finde es einfach unhöflich und ziemlich proletenhaft. Man stelle sich vor, die Bundeskanzlerin würde eine solche Geste zeigen. Wäre wohl ziemlich lächerlich.

 

Inzwischen sind die neuen Möbel geliefert und die Maler haben ihre Arbeit erledigt. Nun müssen die Rechnungen bezahlt werden und die sollen mehr als £ 100.000 betragen. Eigentlich eine Aufgabe für den Steuerzahler, aber die haben NO gesagt. Der Versuch es bei den Parteikollegen durch eine Spendenaktion einzutreiben, ging auch ins Leere. Nun ja, da muß der Boss wohl selbst in die Tasche greifen. Wenn ein Nachfolger einzieht, kann er die Sachen ja mitnehmen. Dann gehören sie ihm.

Eine andere Renovierung wird ganz sicher aus dem Staatshaushalt bezahlt werden. Hier geht es nämlich um die Neugestaltung des Presseraums in der Downing Street. Erste Bilder wurden gezeigt und die Zuschauer rieben sich die Augen. Irgendwie scheint man abgekupfert zu haben. Das ist nichts Schlimmes, nur es passt leider ganz und gar nicht. Wie schön war der Raum vorher und jetzt sieht es wie eine provisorisch errichtete Showbühne aus. Mein Geschmack hat man nicht getroffen. Hoffentlich reissen sie den ganzen Kram bald wieder raus. Und vor allem würde ich jetzt sehr gerne wissen, wie es denn wohl in den privaten Räumen aussieht??? Hat man sich da auch Vorbilder in den USA gesucht? Gibt es erste Fotos? Wer etwas weiß, soll sich unbedingt bei mir melden. Thank you.