Haben Sie den Namen London Array schon einmal gelesen? Irgendeine Idee, wo das sein könnte? Das Wort array nutzt man ja eigentlich nicht für einen Ort, eher für eine Anordnung. Beispielsweise als ‚wide array‘, womit eine große Bandbreite gemeint ist. Oder ‚an array of data‘ für eine Datenreihe. In der London Array sind auch Dinge angeordnet, und zwar in Reih und Glied und in beachtlicher Zahl. Das Gebiet ist immerhin 120 Quadratkilometer groß und beinhaltet 175 „Riesenräder“. Ihre sichtbare Höhe beträgt fast 150 Meter und das sind stolze 20 Meter mehr als das London Eye an der Themse zu bieten hat. Wo kann man dieses Wunderwerk der Technik finden? Vielleicht waren Sie schon mal ganz in der Nähe, wenn auch einige Kilometer über dem Gebiet, nämlich im Flugzeug nach London. Es geht hier nämlich um die weltweit größte Wind Farm, die im Mündungsbereich der Themse liegt. Sie wurde 2013 in Betrieb genommen und hat den Namen ‚London Array‘ bekommen.

Anmerkung: Es gab dort bereits mehrere Wind Parks, die noch immer Energie liefern. Das ganze Gebiet vor der englischen Küste, im Bereich der Themse Mündung, ist von Windrädern gepflastert voll. Von oben sehen sie wie kleine Zahnstocher aus, von unten vermutlich gigantisch. Ich hatte noch keine Gelegenheit, das nachzuprüfen.

 

Hier liegt die Wind Farm ‚London Array‘. Ziemlich genau im Bereich der Einflugschneise der Flugzeuge. Sobald man die Insel sehen kann, lohnt es ich nach den Windrädern Ausschau zu halten. Es sieht fantastisch aus.

 

Die britische Energieversorgung unterscheidet sich deutlich von unserem Energiemix. Man setzt nach wie vor auf Kernkraft, hat aber aus der Kohleausstieg bereits vollzogen. Man hat ehrgeizige Energiesparziele und setzt sie zügig um. Deutschland punktet mit Windkraft, hat aber noch immer einen hohen Kohleanteil im Energiemix. England setzt hauptsächlich auf Gas, gefolgt von Wind- und Kernenergie. Ganz neue Quellen werden gerade nördlich von Schottland entwickelt. Dort schöpft man Energie aus der Kraft der Gezeitenströme. Man lässt einfach das Wasser bei Ebbe und Flut durch eine Turbine laufen, die sich dann bewegt und damit Strom erzeugt. Das funktioniert gut in der schottischen See, denn dort sind die Tidekräfte enorm stark. Und ganz nebenbei, entwickelt man damit eine brandneue Technik, die sich weltweit vermarkten lässt.

Die Windfarm in der Mündung der Themse ist sicherlich kein Ausflugsziel, aber wenn man Zeit und Gelegenheit hat, dann ist die Küste von Kent einen Tagesausflug wert. Oder besser zwei Tage, denn dann kann man erst nach Canterbury und danach an den Strand von Margate fahren. Vielleicht noch einen Abstecher nach Ramsgate einplanen, denn dort findet man die Operationszentrale des Offshore Wind Parks London Array. Von dort werden die Windräder gewartet und vor allem der Stromfluss überwacht, der per Seekabel an Land transportiert wird. Immerhin reicht die Energie für eine halbe Million Haushalte. Sie können auf diese Weise mit dem nötigen Strom versorgt werden. 

 

 

Ich weiß nicht, ob es mir gefallen würde, wenn ich ein Windrad in der Nachbarschaft hätte. Die Dinger sind wohl nicht ganz geräuschlos und irgendwie einschüchternd hoch. Die Turbinen in der Nordsee, vor der englischen Küste, sind noch etwas größer und ragen 87 Meter aus dem Wasser. Misst man die Länge von der Wasseroberfläche bis zur Flügelspitze dann sind es sogar 147 Meter. Der Durchmesser der Flügel beträgt 120 Meter. Es ist also kein Wunder, dass man die eigentlich schlanken Türme vom Flugzeug aus gut ausmachen kann. Schwieriger wird es sie zu fotografieren, aber ein paar Aufnahmen sind mir gelungen. Weil es schnell gehen musste, hatte ich nur das Smartphone zur Hand, aber man erkennt trotzdem die Details. Und sogar ein paar Schiffe. Fast wie im Spielzeugland.