Eines meiner ersten Photos in London machte ich an der Themse. Ich war gerade im Hotel am Strand angekommen, hatte meinen Koffer in windeseile ausgepackt und stand nun endlich dort, wo ich immer sein wollte. Mitten im Herzen Londons, am Ufer der Themse. Die Waterloo Bridge lag vor mir, ich war aber zur Uferstrasse, –Victoria Embankment-, hinuntergestiegen und wollte immer am Fluß entlang bis zur Tower Bridge laufen. Die Kamera hatte ich längst ausgepackt, denn Motive drängten sich geradezu auf. Beispielsweise die rote Telefonzelle, die zu London gehört wie der gleichfarbige Doppeldeckerbus, der rote Briefkasten oder das schwarze Taxi.

 

 

Diese ‚telephone boxes‘ sind voll funktionstüchtig, werden aber trotzdem eher für die Touristen am Leben erhalten, als aus irgendeiner echten Notwendigkeit. Man findet sie deshalb besonders häufig in Westminster und meistens dienen sie tatsächlich als willkommene Kulisse. Es gibt acht verschiedene Modelle, alle wurden von Sir Giles Scott designed. Diese hier, auf dem Bild, ist das Modell K6, das seit 1935 zehntausendmal oder mehr gebaut wurde. 

Das dieses Design viel mit der Waterloo Brücke zu tun hat, wußte ich damals noch nicht. Die Brücke ist eigentlich wenig spektakulär, denn sie ist relativ modern und schmucklos. Allerdings ist sie auch eine der meist befahrenen, weil sie zentral liegt, und große Bahnhöfe verbindet. Für Spaziergänger lohnt sich der Weg über die Waterloo Bridge zu jeder Tageszeit. Man hat von dieser Brücke einen unverstellten Ausblick auf London. Zur einen Seite sieht man die St Paul’s Cathedral und die Hochhäuser des Finanzdistriktes und zur anderen Seite das London Eye, den Westminster Palace und Big Ben

 

 

Die Waterloo Bridge ist aus Beton gebaut und hat auffallend flache und schlanke Bögen. Deren Rundungen kann man am Dach der K6 Boxen wiederfinden. Tatsächlich hat sich Scott, den man mit der Konstruktion der Brücke beauftragt hatte, an seinen erfolgreichen Telefonzellen orientiert. Und noch etwas ist bemerkenswert an der Waterloo Bridge. Sie wurde erst während des zweiten Weltkrieges gebaut und weil die Männer im Krieg waren, übernahmen Frauen die schwere Arbeit. Das haben die Londoner bis heute nicht vergessen und deshalb nennen sie die Brücke oft ‚Ladies‘ Bridge‘. Damit die Erinnerung bleibt, haben Karen Livesey and Jo Wiser einen Dokumentarfilm (http://www.theladiesbridge.co.uk) gedreht. Er zeigt die Leistung der Frauen und erinnert an Zeiten, die die Weichen für heute gestellt haben. – Geht man abends noch einmal zum Fluss, dann staunt man nicht schlecht. Denn wie alle Themsebrücken, hat sich dann auch die Waterloo Bridge mit farbigen Lichterglanz geschmückt. Und dann wird aus der ‚grauen Maus‘ eine aufregende Schönheit.