„It’s enough to make you weep“, jammer ich am Telefon. Es ist nicht mehr zum Aushalten! Immer neue Verlängerungen, neue Versprechen und neue Enttäuschungen. Immer ist das Virus schneller, wir kriechen wie die Schnecken hinterher. Statt des ersehnten Neustarts droht man schon mit der dritten Welle. Wieso verlieren wir in Deutschland beim Wettlauf mit dem Virus mehr und mehr an Boden? Meine Antwort folgt später. In England hingegen herrscht eine ganz andere Stimmung. Dort kommt man mit dem Impfen sehr zügig voran und das ist der direkte Weg aus der Pandemie. Bis Ostern wird jeder 40+ Brite seinen Schutz bekommen haben. Also bis zum 4. April!!! In unseren Impfzentren wartet man noch immer auf die über 80-jährigen; ihre Impfaktion begann kurz nach Weihnachten! Wenn es so weitergeht, dann kommen die Menschen unter fünfzig Jahren nie dran. 

Ganz anders in England. Dort gelten zwar nach wie vor strikte Corona Regeln, aber man sieht mit voller Hoffnung, -und ohne Zweifel-, in die nahe Zukunft. Laut heutigen Stand wird London (UK) ab 17. Mai wiedereröffnet. Dann erlischt das Einreiseverbot und die Hotels öffnen ihre Türen. Das gilt übrigens auch für die Friseure, die fast fünf Monate im Shutdown bleiben müssen. Entsprechend sehen die Londoner aus, ein bißchen wie die Troggs. Eine Anspielung auf eine Rockband aus den sechziger Jahren: ‚wild thing … you make my heart sing …‘, tralala. Classy groove rock!

 

Der Frühling kommt, der Nachwuchs ist da. Überall große Liebe, manchmal sogar ein double-kiss. Man könnte neidisch werden.

 

British Airways plant den normalen Flugplan ab der zweiten Juni Woche. Bis dahin fliegen nur fünf Maschinen pro Woche zwischen Hamburg und London hin- und her. Wenn so ein Flug dann auch noch gestrichen wird, dann sitzt man richtig fest. Aber kann nicht passieren, es sein denn man ist geschäftlich unterwegs. Private Reisen sind ja noch verboten. Für die geimpften Engländer sieht die Zukunft rosig aus. Sommerferien am Mittelmeer sind kaum noch zu buchen. Alles bereits ausverkauft. BA plant ernsthaft Jumbo Jets auf der Strecke London-Athen einzusetzen, weil man sonst die Menschenmassen gar nicht transportieren kann. Die englischen Schulferien (half terms) gehen vom 31. Mai bis 6. Juni. Danach ist dann erst mal wieder Ruhe am Flughafen. Das passt gut, denn dann können wir eine erste Londonreise wagen. Und schon kommen Zweifel, denn irgendwie ist die Krisen-Planung in Deutschland komplett den Bach runter gegangen und niemand traut sich nun mal ein Machtwort zu sprechen. Vielleicht wäre es klug gewesen, die anstehende Bundestagswahl um ein Jahr zu verschieben. Dann könnte man sich auf Corona konzentrieren, statt Wahlkampf zu betreiben. (Meine Antwort auf die eingangs gestellte Frage.)

Es hilft nix, irgendwie müssen wir da durch. Am besten mit Optimismus, egal wo man sich den herholt. Immerhin steht der Frühling vor der Tür und damit kehrt das Licht und die Wärme zurück. Für die gute Laune nutze ich noch immer meine englischen Freunde. Ihr Humor versiegt nie, egal wie dick es kommt. Und vielleicht ist es genau das, was mir aktuell so sehr fehlt. Ein lautes Lachen, ein guter Witz, ein herzliches ‚you’re welcome‘.

 

Gottesdienst per Video Zoom. Irgendein Witzbold hat ein Maske drüber gelegt und nun sieht der ehrenwerte Reverend wie ein Mitglied der Blues Brothers aus. Ob er sich wohl über die Heiterkeit seiner Gemeinde gewundert hat?