Einen Besuch im Parlamentsgebäude hatte ich lange hinausgezögert. Auch hier schreckten mich die Menschenmassen. Dann wagte ich es doch und kaufte mir ein Ticket für die erste Führung am frühen Samstagmorgen. Dabei fand ich heraus, dass ich die Tour auch alleine machen darf, was mir sehr entgegenkommt. Ich suche mir meinen Weg lieber alleine, weil es mir schwer fällt mich an den Rhythmus einer Gruppe anzupassen. – Es ging nicht ganz ohne Wartezeit, es waren schon ziemlich viele Leute da, aber längst nicht so viele wie einige Stunden später. Ich wartete ca. 20 Minuten, dann wird man intensiv sicherheitsmäßig durchsucht. Dann durfte ich alleine starten. In einigen Teilen des Gebäudes war das Fotografieren erlaubt. Die Tour war großartig, ich ging durch den bekannten Sitzungssaal (House of Commons), keine zehn Zentimert von der grünen Bank entfernt, auf der die britischen Abgeordneten Platz nehmen. Sehr beeindruckend.

Ein großes Lob möchte ich auch den Mitarbeitern aussprechen. Man ist in dem Haus auf Menschen mit autistischen Verhalten bestens vorbereitet. Man half mir wo man konnte und gab mir vor allem das Gefühl, dass ich genauso willkommen wie jeder andere bin. In Deutschland ernte ich verlegenes Schweigen, sobald ich mein Asperger Syndrom erwähne. Der Unterschied ist krass und zeigt sich auch auf der Webseite (www.parliament.uk). Unter dem Punkt ‘Planning your visit’ finden sich ganz selbstverständlich der Eintrag ‘Guidance for visitors with autism’. Der Inhalt ist extrem gut, hilfreich, einfühlsam.