Ich schaue schon gar nicht mehr in die Zeitung. Ich will die schlechten Nachrichten nicht mehr lesen. Die ständigen Warnungen und finsteren Prognosen. Sie helfen mir nicht, denn ich bin längst in ein Loch gefallen und da ist es keine gute Idee, wenn ich täglich weiter grabe. Die Welt ist monoton geworden, die Wochen sind eintönig. Das gilt inzwischen auch schon für die Monate und womöglich bald für ganze Jahre. Man hätte im November einen Selbstversuch wagen können: Ins Bett legen und Winterschlaf halten. Mal sehen, ob sich die Welt trotzdem weiter dreht. 

Egal wonach man sucht, alles scheint gerade ein Problem zu sein:

 

Die Lage in England ähnlich wie bei uns. Das Virus hat die Stadt fest im Griff. Natürlich auch den Rest der Insel, aber meine Informationen stammen aus London. Etwas später als bei uns, eine Woche vor Weihnachten, wurden Restaurants, Hotels und alle Geschäfte, ausser Lebensmittel und Pharmazie, geschlossen. Die Schulferien wurden weit in den Januar hinein verlängert. Wer kann, arbeitet von zu Hause aus. Eigentlich sollten die Londoner ein Weihnachtsgeschenk in form von fünf ‚freien‘ Tagen bekommen. Aber die Ansteckungszahlen waren dafür viel zu hoch. Trotzdem konnte sich der Premierminister nicht zu einer kompletten Absage durchringen und erlaubte deshalb den Bürgern sich am Weihnachtstag zu treffen. Man hatte also 24 Stunden Zeit, um die Familie zu besuchen und prompt waren Fernbusse und Züge am Abend des 24. Dezember gerammelt voll. Alle wollten am Christmas Day, also am 25. Dezember, bei der Familie sein. Am Abend kehrten die Massen dann zurück und drängten sich noch einmal durch die Bahnhöfe. Danach stiegen die Ansteckungszahlen rasant an. Grund war ein mutiertes Virus. Es erwies sich als 70% ansteckungsfähiger, als das Original. Besonders im Süden und in London wurde es dramatisch. Die Krankenhäuser waren überbelegt, die Krankenwagen standen stundenlang vor der Notaufnahme, und warteten auf einen freien Platz. Der ergab sich wohl immer dann, wenn gerade wieder ein Covid Patient gestorben war. Makaber, aber wahr. Voller Angst wartete man auf die zweite Januar Woche. Würden die Zahlen noch einmal in die Höhe schnellen? Würde der eine Weihnachtstag, der gefeiert wurde, als wäre alles in bester Ordnung, nun seinen Preis verlangen? Das Drama blieb aus. Gott sei Dank. Die Zahlen sind nicht weiter gestiegen, aber noch immer erschreckend hoch. Gestern wurden fast 56.000 Menschen positiv getestet und 1.280 Menschen starben an Covid-19. Damit sind jetzt über 87.000 Menschen im Königreich an der Krankheit gestorben. Und es kann noch viel schlimmer kommen, denn nun wurde eine weitere Mutation nachgewiesen, die wohl ein Reisender aus Brasilien mitgebracht hat. Diese Virusvariante soll sich noch schneller verbreiten und kann wahrscheinlich auch bereits erkrankte und geimpfte Leute ein zweites Mal anstecken. 

Kein Wunder, dass man drastisch reagiert hat. Ab Montag müssen alle Einreisenden einen aktuellen Test vorweisen und trotzdem in Quarantäne gehen. Weltweit ist dann der Flugverkehr so gut wie annuliert. Die Insellage macht es möglich, man kann sich vom Rest der Welt lossagen. Die Hoffnung auf Normalisierung wandert immer weiter in die ferne Zukunft aus. Man spricht inzwischen von Ostern (4./5. April). Vielleicht. Wenn wir Glück haben. Um so mehr überraschte es mich, als ich heute vom Hotel erfuhr, dass man eine Wiedereröffnung am 25. Februar plant. Darauf würde ich mich nicht verlassen. Aber was sollen sie machen, langsam wird es eng.

 

 

Ich habe meine Eintrittskarte für die Household Division bekommen, obwohl nur wenige Plätze angeboten wurden. Man hat viel freien Platz gelassen, damit der nötige Abstand gewahrt bleibt. Die Aussicht dabei sein zu können, macht mir so viel Hoffnung, dass ich die Karte prompt im Bilderrahmen aufgestellt habe. Aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich inzwischen nicht mehr daran. Womöglich wieder ein Reise, die in der Stornierung endet. Gerade wurde bekannt, dass der Impfstoff nicht so schnell produziert werden kann, wie gehofft. Es kann also noch dauern, bis meine Altersgruppe an der Reihe ist.

Die Theater im Londoner West End haben längst jede Planung aufgegeben. Eigentlich sollten einige Stücke, die im letzten März nicht stattfinden konnten, nun nachgeholt werden. Aber Pustekuchen, wir sind schon wieder im Shutdown und die Tickets gehen ein zweites Mal in die Verlängerung. Da reiht sich Tower Bridge nahtlos in die Misere. Sie hat erstmals keinen einzigen Termin zu melden, an dem die beiden Brückenflügel geöffnet werden. Unfassbar. Normalerweise findet das mehrmals in der Woche statt. Meistens sind es aber Touristenboote, die diesen Service für die Kunden kaufen. Eigentlich würden sie auch unter der geschlossenen Brücke durchfahren können, aber es macht sich gut, wenn man das spektakuläre ‚Lifting‘ ankündigen kann. Jetzt ist also auch dort der Stillstand angekommen. 

Eigentlich beende ich meine Posts immer mit einer guten Nachricht. Habe ich eine? Oh ja! Und ob. Ich habe mit großer Freude gesehen, dass noch immer viele Besucher sich auf dieser Webseite einfinden. Und das freut mich wirklich sehr. Es ist nicht einfach aus London authentisch zu berichten, wenn man nicht dort sein kann. Solange ich aber Leser habe, bleibe ich am Ball. Die nötige Motivation geben Sie mir, liebe LeserInnen. Dafür danke ich Ihnen. Bleiben Sie gesund.

 

‚Hibernation‘ ist das englische Wort für den Winterschlaf.