Inzwischen haben wir es alle verinnerlicht: Hände waschen, desinfizieren, Maske aufsetzen. Einfache Mittel, die uns geblieben sind im Kampf gegen den unsichtbaren Feind. Anfangs hatte ich noch meine eigenen Strategien. Beispielsweise hielt ich einfach die Luft an, wenn mir jemand zu nahe kam. Das habe ich inzwischen aufgegeben. Es mag für den Augenblick nützlich sein, aber schon nach wenigen Sekunden halte ich es nicht länger durch und atme dann umso tiefer ein. Das ist dann auch nicht hilfreich. Außerdem fällt man mit dem unkontrollierten Luft-Schnappen unangenehm auf.

Das ist übrigens das Stichwort, das mich nahtlos nach London führt. Dort will man die Maskenpflicht nun auch in den Geschäften einführen. Komischerweise erst in neun Tagen. Warum nicht sofort??? Nun, es ist verzwickt. Ich brauchte etwas, bis ich ahnte, welche wirren Gedanken im britischen Hirn kreisen. Der Engländer ist ein meistens recht scheu und schämt sich für alles, womit man auffallen könnte. Bloß nicht die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, das ist das Schlimmste was passieren kann. Es sei denn, man hat es geplant. Dann gibt es kein Halten mehr und alle roten Linien werden lustvoll überschritten. Aber das inzwischen in Bahn und Bus erzwungene Aufsetzen einer Maske kostet ihn viel Überwindung. Dazu kommt, dass ein echter englischer Gentleman niemals sein Gesicht verbergen würde. Das ist undenkbar. Unter allen Umständen. Und deshalb trotzt man lieber mutig dem Virus und läuft ohne face covering durch die Gegend. Gut möglich, das sie schon bald meinem Versuch folgen und tapfer die Luft anhalten, bis ihnen schwarz vor Augen wird. Das merkt anfangs keiner und wenn man dann umfällt, könnte man es als Scherz verkaufen.

Für den Engländer ist das Allheilmittel noch immer der Humor. Der kommt in diesen Monaten deutlich zu kurz, denn Theater und Kabarettbühnen sind geschlossen. Leider wohl noch für lange Zeit. Man muss sich also selbst gegenseitig unterhalten und das können sie gut. Manch prominenter Künstler hilft so gut er kann. Einer davon ist der inzwischen weltbekannte Street-Art-Künstler Banksy. Er hatte am Anfang der Coronakrise die Wände seines Badezimmers übermalt und das dann fotografiert. Dort hatten ein paar niedliche Ratten das Regime übernommen. Eine quetschte die Zahnpaste aus der Tube, eine andere rollte das Klopapier endlos ab. Dazu der Kommentar von Frau Banksy: „Ich hasse es, wenn mein Mann im Home-Office arbeitet.“

Nun hat Banksy’s Rattenband erneut Spuren hinterlassen, nämlich in einer Londoner U-Bahn. Drei witzige Bilder hatte er hinterlassen. Wie immer, klammheimlich, ohne einen Zeugen. Als dann das Reinigungskommando anrückte, war die Kunstausstellung schneller vorbei als gedacht. Jegliches Besprühen oder Bemalen ist strengstens verboten. Dazu die Virenbedrohung, die eine besonders gründliche Reinigung der Züge verlangt. Schwuppdiwupp, – oder: in the twinkling of an eye -, war alles entfernt. Zum Glück hatte Banksy selbst ein paar Fotos bei der Arbeit gemacht. Die zeigen seinen sehr britischen Humor, den jedermann liebt.

 

Wer es nicht genau erkennt, bekommt hier die Beschreibung. Oben niest die Ratte gegen die Scheibe, in der Mitte gleitet sie an einer Schutzmaske durch den Raum und unten bietet sie Desinfektionsmittel an. Corona-Alltag auf den Punkt gebracht.