Wenn bei sich bei uns zwei ältere Damen, -also in meiner Altersklasse-, zufällig begegnen, werden sie gerne ein Gespräch anfangen. Natürlich nur, wenn man sich kennt. Das beginnt dann ungefähr so: „Hallo Frau XXX, lange nicht gesehen.“ „Ach, hallo Frau YYY, wie geht es denn so?“ „Na ja, ich kann nicht klagen, wenn bloß die Schmerzen nicht wären.“ „In den Beinen?“ Die andere nickt und reibt sich die Hüfte. „Ja, kenn‘ ich. Hatte ich auch. Jetzt sind es meine Knie. Immer diese Schmerzen.“ Damit wäre der Anfang gemacht und man kann sich in die Tiefe vorarbeiten. Erst alle Befunde aufzählen, dann die Diagnosen vergleichen, dann die Liste der behandelnden Ärzte durchgehen und als Höhepunkt die Krankenhauserfahrungen austauschen. Natürlich nur die schlechten, dann weiß die andere schon mal was im Fall des Falles auf sie zukommt. Der Tag ist gerettet. Nach einer guten halben Stunde wird eine der beiden Damen unruhig. Sie kann nicht länger stehen und würde jetzt gerne weitergehen. Aber wie kommt man jemals aus einer solchen Unterhaltung wieder heraus? Schließlich tauscht man doch gerade innerste Sorgen und Nöte aus, da kann man nicht einfach weggehen.

Treffen sich gleich drei oder gar mehr, –George würde sagen: two are too many, three’s a crowd and four you’re dead-, dann wird man ein unverfängliches Thema wählen. Kennt man sich aus der Nachbarschaft,  dann kann man über die reden, die momentan nicht dabei sind. Kommt man aus verschiedenen Strassen, dann muss man einen allgemeineren Ansatz finden. Vielleicht die Freitags-Demonstranten oder die Covid Verweigerer oder einfach die rücksichtlosen Radfahrer, Hundebesitzer oder Mütter mit Kinderwagen. Je nach Lage muss man wählen, blitzschnell entscheiden. Das Thema, das niemanden wirklich betrifft und wovon keine wirklich etwas weiß, eignet sich am besten. Damit lässt sich viel Zeit zuverlässig tot schlagen.

Nun der Vergleich mit den Engländern. Was passiert dort, wenn sich vier ältere Damen, -also noch immer meine Altersklasse-, zufällig begegnen. Klare Sache, denn es gibt nur eine mögliche Reaktion. Man wird sich ein gemütliches Plätzchen suchen, eine Tasse Tee aus dem Nichts herbeizaubern und dann beginnt die Unterhaltung. Jede gibt was sie kann. Erzählt erstaunlich schlüpfrige Witze, bietet ein bißchen Tratsch mit Pointe an und spart nicht an Selbstironie. „Imagine what happened to me. You won’t believe it. I thought I was going to sink into the ground …“, so fangen sie an und dann lassen sie sich eine Geschichte einfallen, die so komisch ist, dass man gar nicht anders kann, als sich auszuschütten. Ob es wirklich so passiert ist, ist egal. Hauptsache man hatte Spaß. Das zählt und die geteilte Freude lässt sich tanken, sogar speichern und mitnehmen. Und das alles ganz umsonst.

 

Auf den ersten Blick klar. Diese Damen können nur Engländerin sein und tatsächlich sind sie es. Durchaus möglich, dass sie den Tee in der Themosflasche dabei hatten und natürlich auch ein paar Tassen. Pappbecher sind keine Option, man ist zwar nicht sophisticated aber man hat Stil.