Ein Container Schiff hat sich festgefahren. Ausgerechnet im Suez Kanal. Da liegt der Koloss nun quer in der Fahrrinne und nix geht mehr. Zehn Schlepper versuchten ihn freizuschleppen, ohne Erfolg. Der Riese wiegt viel zu viel, um ihn auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Das kann dauern und die anderen müssen warten. Eine Hamburger Reederei hat das Management und dort rauchen wohl gerade die Köpfe. Als das Schiff vor einger Zeit die Hansestadt besuchte, dachte ich die Elbe schwappt über. Der Havarist, die Ever Given, ist 400 Meter lang, 60 Meter breit und 30 Meter hoch (+ 15m Tiefgang). Der Brocken hat damals das Fährboot ‚Finkenwerder‘ gerammt, eigentlich zerstört, und dabei auch den Anleger in Blankenese platt gemacht.

 

Zwei Unfälle in zwei Jahren. Die ‚Ever Given‘ ist vom Pech verfolgt, denn es waren wohl technische Problem, die den Riesen immer dann aus der Spur brachten, als es eng wurde.

 

Ein anderes Ereignis passt auch zur heutigen Überschrift ‚Volle Kraft voraus‘. Sie betrifft meinen Lieblings-Discounter, bei dem ich heute morgen war. Vor wenigen Monaten hatten sie den Laden umgebaut. Alles noch neuer, noch größer, sehr gelungen. Heute dann das Desaster: „Kühlungsausfall! Keine Wurst, kein Käse, keine Milch“. Das Schild mit riesigen Lettern steht gleich im Eingang, damit man noch rechtzeitig abdrehen kann. Immerhin einige TK-Truhen und Schränke funktionierten noch. Aber die nagelneue Kühlstrasse, wohl hundert Meter lang, war leergeräumt. Gestern Abend, nach Schliessung, ist es passiert. Dann kommen die LKWs und liefern den Nachschub an. Einer ist zu forsch rückwärts an die Rampe gefahren und hat dabei das Kühlaggregat zerquetscht. Der Ort ist vielleicht nicht klug gewählt? Jedenfalls hat es der Fahrer wohl gar nicht gemerkt, aber im Laden wurde noch gereingt und die Leute waren aufmerksam. Sie schlugen Alarm. Über Nacht wurde alles ausgeräumt und abtransportiert. Jetzt wartet man auf wichtige Ersatzteile und die sind natürlich nicht vorrätig. Ist ja immer so. Das kann dauern. Hoffentlich sind die Teile nicht in einem Container verstaut, der gerade auf dem Suez Kanal unterwegs ist.

Ich kann es mir nicht verkneifen, aber die Rolle Rückwärts der deutschen Krisenmanager muß ich unbedingt noch kommentieren. Ich nehme es gleich vorweg, ich fand es eigentlich ziemlich lustig. Allerdings fehlte mir die Pointe, die wurde verpatzt. Der Reihe nach. Erst die Meldung von zwei zusätzlichen Ruhetagen über Ostern. Sehr komisch, denn ich bin seit gut einem Jahr in Ruhestellung. Noch mehr Immobilität und ich wachse auf dem Sofa fest. Dann die Kehrtwende. Späte Einsicht, aber immerhin. Wer Gründonnerstag alles schließt, hat am Ostersamstag umso mehr Gedränge in den Geschäften. Es war wohl der Müdigkeit geschuldet, dass kein Landeschef darauf hinwies. Am nächsten Morgen, war die Vernunft zurück. Das wußte schon der Alte Fritz, dass man Entscheidungen immer eine Nacht überschlafen soll. Ich fand die Entschuldigung der Kanzlerin interessant. Von ihr kann man wirklich lernen. Statt einfach um Entschuldigung zu bitten, nutzte sie konsequent das Wort ‚Verzeihung‘. Sehr schlau. Eine Entschuldigung kann man leicht abschmettern (die kannst du dir in die Haare …), aber eine Verzeihung muß akzeptiert werden. Sonst steht man als herzloser Rechthaber da und das will keiner. Nein ehrlich, ohne Ironie, ich fand es prima, was Frau Merkel gemacht hat. Ihre Erklärung wirkte auf mich aufrichtig und endlich mal mit einer Spur Emotionalität gewürzt. Aber deshalb nun gleich unisono Respekt im Bundestag zu zollen, ist eigentlich komisch, oder? Ich meine sie hat kein Schmiergeld angenommen oder die Republik verraten. Sie hat in einer höchst ungewissen Sache, auf’s falsche Pferd gesetzt. Das kommt vor. Man entschuldigt sich, betont die gute Absicht und fertig. Aber diese eigentlich übliche Geste der Entschuldigung scheint bei vielen unserer Politiker in Vergessenheit geraten zu sein und so sind sie dann batz erstaunt, wenn einer es doch mal schafft.

Ich lasse das durchgehen, Frau Merkel hat es schlußendlich gut gemacht. Sie kann werder zaubern noch hellsehen. Aber was mich dann doch enttäuschte war, war der fehlende Nachschlag am Abend. Die ganze Zeit hatte ich das TV im Auge, immer in Erwartung der ‚Breaking News‘. Nun muß sie doch endlich vor die Kamera treten, dachte ich mir, und kichernd erklären: „Leute, das war doch bloß ein Witz. Gründonnerstag fällt auf den 1. April. Habt ihr es nicht gemerkt??? April, April … Ha, ha, hi, hi, kicher, kicher. (Niemand kann so herzhaft lachen, wir Frau Merkel. Die kann sich regelrecht ausschütten und steckt damit auch den letzten Misepeter an. Leider zeigt sie es selten in der Öffentlichkeit.)

So, wie kriege ich jetzt die Kurve auf die britische Insel? Gar nicht. Also lass ich den Versuch irgendeinen Zusammenhang zwischen Havaristen und Schwänen zu konstruieren. Obwohl nerven tun sie beide. Vielleicht ist das die thematische Brücke. Geniessen Sie den Frühling und nicht zu forsch Gas geben. Immer schön in der Spur bleiben. Die schönen Tage kommen noch, versprochen.

 

Den Themse Schwänen wird es langweilig. Genauso wie den Tower Raben. Die verlassen immer öfter das Terrain und einer kehrte nicht wieder zurück. Wenn Tiere an Menschen gewöhnt sind, dann vermissen sie sie sehr. Vermutlich sind wir ziemlich unterhaltsam für sie. Und so fühlten sich auch die Schwäne einsam. Sie sagten sich, wenn die Menschen nicht zu uns kommen, dann gehen wir eben zu den Menschen. Gesagt, getan. Aber auch dort, in den beschaulichen Häusern im westlichen London, blieben die Türen verschlossen. Die Klingel war zu hoch angebracht, die konnten sie nicht bedienen, aber der Briefkaste, der war erreichbar. Und weil Schwäne laute Geräusche lieben, waren sie vom tack-tack-tack-tack … sofort begeistert. Jetzt kommen sie täglich vorbei und klappern stundenlang an der Haustür. Die Bewohner raufen sich die Haare. Oder wie der Telegraph schrieb: „Residents spitting feathers over the swans that rattle their letterboxes for hours.“