Kennen Sie diesen Mann? Gut, auf dem Bild kann man wenig von ihm sehen. Er übt sich noch im Trage der Maske, denn einen Tag vorher hatte man ihn beim Einkaufen ohne erwischt. Nicht gut, denn es ist verboten. Aber Mitarbeiter des Premierministers müssen solchen Vorschriften, die sie selbst entwerfen und dann der Öffentlichkeit vorstellen, nicht unbedingt folgen. Wir wissen das, nachdem der Chefberater ungeschoren blieb, obwohl er mitten im Lockdown England per Auto durchquerte. Aber Schwamm drüber, das sind alte Geschichten. Diesen Mann hinter den mit Dampf beschlagenen Gläsern haben Sie bestimmt schon im TV gesehen, denn er ist immerhin der Vize-Premier in der britischen Regierung. Sein Name ist Michael Gove und seine Aufgaben sind vielfältig. Er hat einen Ministerposten für ein Amt ohne spezielle Aufgaben (Duchy of Lancaster) und deshalb genug Zeit für andere Sachen. Er hat sich ganz besonders um den Brexit zu kümmern bzw. um dessen Auswirkungen für Groß Britannien. Sein Wikipedia Eintrag ist lang, jedenfalls in der englischen Version, und er reicht vom Cocain Missbrauch bis zum Karriereziel als Premierminister. Daran arbeitet er hart und voller Ehrgeiz. Mit Boris Johnson, seinem Boss, ist er dick befreundet. Die beiden kennen sich seit dem Studium und sie haben beide als Journalisten angefangen. Dann der Sprung in die Politik. Auch dort agierten sie gemeinsam als Mitglieder der konservativen Partei. Als dann ein Nachfolger für David Cameron gesucht wurde, das war im Juni 2016, bewarb sich Boris Johnson für den vakanten Parteivorsitz. Sein alter Freund Michael war sein wichtigster Unterstützer. Und als dann der große Tag kam, als die Bewerbung offiziell gemacht werden mußte, überraschte Michael Gove mit einer unglaublichen Kehrtwende. Über Nacht hatte er sich überlegt, dass er eigentlich lieber selbst kandidieren wollte. Eigentlich hatte ihn seine Frau dazu animiert, die ihm ein nicht sehr schmeichelhaftes Mail schickte und blöderweise einen ziemlich großen Empfängerkreis eingefügt hatte. So kam die Sache ungewollt oder gewollt, wer weiß das schon, direkt in die Zeitung. Großes Gelächter, die Karriere des Michael Gove schien beendet, er galt als fieser Verräter. Die lachende Gewinnerin war Theresa May, die für Michael Gove nur noch Verachtung zeigte. – Boris Johnson war natürlich auch geliefert, ohne den Unterstützer brauchte er gar nicht erst anzutreten. So kam es, dass sein Einzug in die Downing Street noch drei Jahre warten mußte.

Ich kann es nicht verleugnen, mir ist Michael Gove unsympatisch. Er scheint mir gnadenlos ehrgeizig zu sein und deshalb oft rücksichtslos. Der Zweck heiligt die Mittel, scheint seine Richtschnur zu sein. Als überzeugter Brexiteer hat er viele Lügen verbreitet, darunter unglaublich dumme. Seine Wortwahl bezüglich der Europäer ist häufig beleidigend. Wenn ich ihn sehe, muß ich an den Musterschüler denken, der seinem Lehrer die Tasche hinterherträgt, immer in der Hoffnung irgendwann dafür belohnt zu werden. Ausserdem scheint Michael Gove nicht besonders schlagfertig zu sein, denn Journalisten können ihn immer wieder in Bedrängnis bringen. Als einige Tories wegen ihrer wilden, längst vergangenen Studienjahre, angegriffen wurden, warf sich Michael Gove für sie mutig vor den Zug. Es ging um Rauschgiftkonsum und prompt gestand er ein, dass er auch hin und wieder Cocain geschnupft hätte. Das war ziemlich dumm, denn damit hatte er eine Straftat eingestanden. Die anderen waren schlauer und redeten von ‚hier und da mal einen Joint probiert‘. Ja, so was passiert Musterschülern, die gerne vorpreschen und stets einen Tick zu weit gehen.

Die Biographie des Michael Gove ist sicherlich voller interessanter Details und schon sein Start ins Leben ist ungewöhnlich. Jedenfalls für die politische Klasse der konservativen Partei. Die allermeisten, die dort einen Spitzenposten erreicht haben, haben eine stets gleiche Vita anzubieten. Sie stammen aus reichen Elternhaus, mit aristokratischen Wurzeln, haben private Schulen besucht und landete schließlich in Oxford oder Cambridge. Dann wählte man sich den Ehepartner, der/die ebenfalls aus einem bestens vernetzten Elternhaus stammen mußte. Fertig war das Sprungbrett zur politschen Karriere. Für Michael Gove fing das Leben anders an. Er war ein Waisenkind und hatte das Glück von Stiefeltern adoptiert zu werden. Anfangs stand er der Labour Partei nahe, als sich aber eine Chance bot einen Wahlkreis für die Konservativen zu gewinnen, griff er zu. Die Karriere nahm schnell an Fahrt auf, es gab Rückschläge, aber irgendwie schaffte er es immer wieder sich nützlich zu machen und bei den Großen mitzuspielen. Manche glauben, dass er der nächste Premierminister werden kann. Ich muß ehrlich sagen, dass ich das gar nicht gut finden würde. Aber wer weiß. Immer wenn man denkt, ’schlimmer geht nimmer‘, dann kommt es richtig dick.

Und nun noch eine Bildergallerie. Sie zeigt den wirklich nicht fotogenen Michael Gove. Sie denken sicherlich, ich hätte die schlimmsten Bilder herausgesucht. Stimmt NICHT! Ich habe die erst besten genommen, die ich finden konnte. Eins ist ein höchst offizelles Porträt, das er auf seiner Webseite zeigt. Nein, der arme Michael ist ein merkwürdig aussehender Mensch. Pausbackig, fast immer angestrengt aussehend, und irgendwie linkisch auf den Füßen. Es ist erstaunlich, dass er trotzdem eine Karriere gemacht hat, wo die Medienpräsenz ganz groß geschrieben wird. Für alle, die glauben sie würden nicht sooooooo sexy rüberkommen, wir es ihnen lieb wäre, sollen diese Bilder ein Trost sein. Klar, das die ironische TV Comedy Serie ‚Spitting Image‘ ihre helle Freude am Charakter des Michael Gove hat. Schnell war sein Kopf in Gummi gegossen.

 

 

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