Wann fing es mit dem Brexit an? Vor drei Jahren? Oder schon vor vier? Nein, es begann vor SIEBEN JAHREN (!!!), genau am 23. Januar 2013. Also fast acht Jahre ist es her, als der britische Premier Minister, David Cameron, den Briten ein unseriöses Angebot machte. Er fürchtete die Wiederwahl und glaubte sich Stimmen kaufen zu können. Er versprach nämlich an diesem Tag, dass es in seiner nächsten Amtszeit ein Referendum über den Verbleib in der EU geben wird. Das gefiel den Briten, die mögen Umfragen. Und Mr Cameron war auch glücklich, denn er war sich ganz sicher, dass seine Landsleute niemals den Mut hätten die Gemeinschaft zu verlassen. Das käme einer Revolution gleich und so etwas macht der Brite nicht. Das überlässt er den Franzosen, die haben die Guillotine erfunden.

Es begann dann eine rege Reisetätigkeit von London nach Brüssel. Mr Cameron versuchte nun alle möglichen Extras auszuhandeln, immer mit der Drohung im Raum, dass er das angekündigte Referendum wirklich durchführen wird. Eine Taktik die von Boris Johnson übernommen wurde, von der sich aber die Europäer wenig beeindrucken liessen. Ganz im Gegenteil, man erinnert sich der alten Weisheit, dass derjenige der droht ziemlich alt aussieht, wenn er nicht den Mut zur konsequenten Umsetzung hat. Und so zogen die Briten ein ums andere Mal den kürzeren. Bis David Cameron aufgeben mußte und ziemlich bedeppert den Briten die alles entscheidende Frage stellte: Wollt ihr in der Europäischen Union bleiben?

Und dann kam alles ganz anders als gedacht. Als es dann im Juni 2016 zur Abstimmung kam, entschied sich eine knappe Mehrheit für den Austritt aus der EU. Das war allerdings keine Mehrheit der Bevölkerung. Von denen waren nämlich die meisten der Abstimmung fern geblieben. Das Unfassbare nahm jetzt seinen Lauf, indem man das Referendum als bindend betrachtete, was es keineswegs war. Noch nicht einmal eine parlamentarische Überprüfung wurde ins Spiel gebracht. Und so begann ein Austrittsmarathon, ohne Konzept und Ziel, der dreimal in die Verlängerung ging und zwei Neuwahlen forderte. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, den chronologischen Ablauf zusammenzustellen. Ich habe wirklich nur die Highlights herausgepickt, sonst wäre die Liste doppelt so lang geworden. Und obwohl ich den Brexit mit viel Aufmerksamkeit verfolgte, war mir einiges schon wieder entfallen. Wenn ich es mir jetzt in dieser komprimierten Form ansehe, kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln. War es das wert? 

 

 

Abenteuerlich, oder? Wie kann es angehen, dass man sich selbst zerfleischt, nur um am Ende sagen zu können: Wir hatten recht. Feiern dann die Brexit Befürworter mit der längst nicht mehr bestehenden UKIP Partei? Wird man dem ebenfalls längst abgetauchten Nigel Farage ein Denkmal setzen? Wird Boris Johnson als Premier Minister in die Geschichtsbücher einziehen? Wahrscheinlich wird er Erwähnung finden, aber wohl nicht in dem Sinne wie erhofft. – Inzwischen hatte ich mich ziemlich tief in die britische Politik gewühlt und fragte mich wer eigentlich noch zu den Verantwortlichen gehört? Wer umkreist den Premier und lenkt dessen Entscheidungen? Interessanterweise sind das nicht die Frauen und Männer, die am Kabinettstisch sitzen. Es sind nicht die gewählten Volksvertreter, sondern hohe Verwaltungsbeamte, die nicht selten in einer engen privaten Beziehung zueinander stehen. Ich fand eine Grafik in der Zeitung, die mir diesbezüglich die Augen öffnete. Ist es wirklich normal, dass man sich mit Leuten umgibt, die untereinander verheiratet und verschwägert sind? Eine Sitte, die an Königshöfen üblich war aber in einer demokratisch gewählten Regierung finde ich das höchst merkwürdig. Bin ich zu naiv oder sehe ich es richtig, dass so etwas in unserer Regierung nicht möglich ist. Hoffentlich habe ich jetzt mal recht.