Fast hätte man den Covent Garden Market in den 70-er Jahren abgerissen. Sieht man ihn heute, sagt man sich: Unvorstellbar! Covent Garden war immer ein Treffpunkt der Londoner und ist es heute mehr denn je. Jahrhunderte lang wurde in den Markhallen Obst und Gemüse verkauft, aber auch Blumen und Pflanzen aller Art. Es war ein richtiger Großmarkt, der schon am frühen Morgen von den Händlern aufgesucht wurde, danach kamen dann die Londoner und darunter auch viele Küchenchefs der umliegenden Hotels. Kurzum es war ein Kommen und Gehen und weil jeder seinen Kleinlaster zum Abtransport der eingekauften Waren dabei hatte, kam der Verkehr rund um Covent Garden regelmäßig zum Erliegen. Als es nicht mehr ging, entschloss man sich zu einem radikalen Schritt. Der ganze Markt wurde verlegt, nach Nine Elms, an das Südufer der Themse, wo er seit gut vierzig Jahren floriert. Der quirlige Markt ist durchaus einen Besuch wert, allerdings muß man früh aufstehen. Die Händler beginnen um vier Uhr nachts! – Der alte Covent Garden war durch den Umzug der Händler von einem Tag auf den anderen zu einem sehr ruhigen Ort geworden. Ein verlassener Platz, mitten im Herzen der Stadt. Was sollte man damit machen?

 

In der Mitte die Markhallen, ganz in der Nähe die Station Covent Garden. Die roten Punkte markieren Pubs, man verdurstet hier also ganz sicher nicht. Der grüne Punkt zeigt auf die Oper in der Bow Street.

 

Natürlich gab es sofort Investoren, die dort gerne Häuser gebaut hätten. Anwohner plädierten für einen Parkplatz, andere wollten einen Park vor der Tür haben. Niemand hatte ein überzeugendes Konzept, geschweige denn Geld, und so lag Covent Garden Market für fast zwanzig Jahre brach. Die herrlichen Markthallen rotteten vor sich hin und irgendwie war das Ganze zu einem ziemlichen Schmuddelplatz verkommen. Da half es auch nichts, dass das Royal Opera House den offenen Marktplatz mit seiner Rückwand zum Nord-Osten hin abschließt. Die prominente Nachbarschaft hinterließ keine Spuren. Dann wurden endlich die Stadtplaner aktiv und entwickelten einen ganz neuen Nutzungsplan. Dabei hielt man sich eng an der Tradition. Covent Garden Market sollte bleiben was es immer gewesen war, ein Markt-, Handels- und Treffplatz für jedermann. Das Konzept ging auf, heute ist der Platz ein Touristenmagnet und täglich bis in den Abend voller Menschen und voller Leben.

 

Abends auf der Piazza in Covent Garden. London ist abends eine wundervoll beleuchtete Stadt, wird aber nirgends zu hell. Ich mag diese Atmosphäre sehr.

 

Covent Garden Market besteht aus mehreren Hallen, ich glaube es sind drei große Märkte, die viele kleine Geschäfte beherbergen. Viel Kunsthandwerk, nette Restaurants, Shops die Leckereien anbieten, Teegeschäfte und so weiter. Dazwischen stehen Händler an ihren Markständen, die sie täglich auf- und nachmittags wieder abbauen. Am Wochenende kommen Verkäufer, die sich auf Touristen spezialisiert haben. Hier finden man ganz sicher ein Mitbringsel für Zuhause. Aber auch viele Sammler bieten tolle Fotografien, Postkarten und Bücher an. Einer hat Gürtel und Portemonnaies und daneben gibt es schöne Schals zu kaufen. Man kann sich hier leicht ein paar Stunden aufhalten und falls es regnet freut man sich über die durchgehende Überdachung. Ich war von der Qualität der angebotenen Ware sehr positiv überrascht.

Abends machen dann die Pubs, die Bars und die Restaurants auf. Das Publikum ist altersmäßig viel gemischter als im West End (Leicester Square), wo die Jugend sich bis spät in die Nacht amüsiert. Hier sitzen Touristen wie ich, die etwas müde vom anstrengenden Tag noch ein Glas Bier oder Cider trinken und gleich neben mir sitzt ein Ehepaar in Abendgarderobe, weil sie nachher noch die Oper besuchen werden. Das Beste aber ist die kostenfreie Live Unterhaltung, die die Straßenmusiker zu bieten haben. Covent Garden ist der einzige Ort in London, wo ‚Busker‘ Musik machen dürfen. Hier fingen nicht wenige Leute ihre Karriere an, die später Weltstars wurden. Und deshalb wunderte es mich nicht, welche Qualität die Künstler bieten. Da schmettert jemand opernreif ein paar Arien, dann spielt und singt jemand Song von Cat Stevens und ich schaue zweimal hin, weil er vom Original nicht zu unterscheiden ist. Es macht wirklich Spaß hier den Abend ausklingen zu lassen und ich versäume die Gelegenheit nie, wenn ich im nahegelegenen Strand Palace Hotel mein Zimmer habe.

 

Im Hintergrund sieht man die gewaltige Rückwand der Oper. Da wird noch gespielt, aber wer keine Karten hat genießt den Abend in einem der vielen Pubs. Alle stellen ihre Tische und Stühle draußen auf; der Engländer liebt es sich auf der Straße zu treffen.

 

Covent Garden ist übrigens auch der Name des Stadtteils (district), der Teil des Bezirks (borough) Westminster ist. Er beginnt gleich westlich von St Paul’s und endet am Trafalgar Square. Kinogänger kennen den Covent Garden Market aus vielen Filmen. Hitchcock, der gebürtige Engländer (!), drehte hier den Thriller ‚Frency‘ und soll dabei die Markt Atmosphäre während der 60-er Jahre sehr gut eingefangen haben. Schon früher wurde das Stück ‚Pygmalion‘ von Bernhard Shaw hier verfilmt. Wir kennen es besser als Musical ‚My Fair Lady‘. In dem Stück besucht Prof. Higgins die Royal Opera und trifft auf das Blumenmädchen Eliza Doolittle, die ihre Ware auf dem Covent Garden Market anbietet. Übrigens ein Stück mit einem wahren Hintergrund, der erschreckend traurige Verhältnisse aufzeigt. Aber das ist eine andere Geschichte.

 

Das Museum soll einen Besuch wert sein. Ich hatte noch keine Zeit, bin auch nicht so sehr an Doppeldeckerbussen und Autos interessiert. Für Männer, groß und klein, soll es der perfekte ‚Abgabeort‘ sein, falls man entspannt in den vielen Geschäften einkaufen möchte.

 

Wer in London ist, sollte auf jeden Fall einen Besuch in Covent Garden Market einplanen. Sehr oft ist der Markt Schauplatz für besondere Aktionen. Da kommt dann schon mal Paddington Bear vorbei oder ein paar Morris Dancer zeigen ihre Show. Im Dezember wird es festlich. Dann wird Covent Garden zu einem Weihnachtsmarkt, inklusive lebenden Rentieren. Tausende von Lichtern glänzen dann an der Fassade und ein großer Weihnachtsbaum steht auf der Piazza vor dem London Transport Museum. Aber Vorsicht, denn unter der Decke sind hunderte Mistelzweige angebracht. Und was das bedeutet wissen Sie hoffentlich. Viel Spaß in Covent Garden.

 

Die Karte lässt sich mit Mausklick vergrößern. Ich habe die Grenzen des Stadtteils Covent Garden eingezeichnet; er hat den Postcode WC2. Das Gebiet ist nicht sehr groß, aber zentral gelegen.