Die Engländer lachen gerne. Am liebsten sind ihnen absurde Situationen, in denen einer ziemlich dumm aussieht. Natürlich ist das IMMER derjenige, der den Witz erzählt. Es gilt als sehr unhöflich, wenn man sich auf Kosten anderer lustig macht. Sie sollten es tunlichst vermeiden, denn man wird sich verwundert abwenden. Eine Sendung wie ‚Verstehen Sie Spaß‘ hätte in England keine Chance. Es gibt zwar in der Idee angelehnte Shows, wie beispielsweise ‚Trigger Happy‘, aber sie arbeiten mit sehr viel feineren Humor und wie schon gesagt, stets auf eigene Kosten. Ich erinnere mich an eine Szene, als ein Kammerjäger gerufen wird, der dann vor Ort auf einen Mann im Mäusekostüm trifft. 

Manche wenden ein, dass die Engländer sich ungeniert über Minderheiten lustig machen. Das ist wohl wahr. Niemand wird ausgelassen, egal ob schwul, behindert oder weiblich. (Auch dieser Satz ist voll daneben und gefällt gerade deshalb dem Briten.) Man amüsiert sich königlich über die peinliche Situation, die dann oft entstehen. Aber auch hier trifft die Gemeinheit oder die Häme stets den Erzähler, dem der verunglückte Witz wie ein Bumerang an den Kopf knallt.

Im ‚Daily Telegraph‘ gefunden.

Es gibt unzählige englische Komödianten, die von ihrem Talent leben können. Sie sind oft ganz hervorragend und man kann sie an den Wochenenden auf einer der vielen live Bühnen im West End erleben. Das sind kleine Comedy Theater, die für ein bezahlbares Ticket einen höchst vergnüglichen Abend bieten. Allerdings sollte man die Sprache gut verstehen, denn mancher bringt seinen Dialekt mit. Und auch wenn einer Queens English spricht, wird er scheinbar mühelos neue Begriffe aus dem Stehgreif erfinden. Eine Kunst, die jeder Engländer beherrscht. Häufig treten urkomische Duos auf, die sich spontan zusammentun und gegenseitig zur Bestleistung anstacheln. Ich erinnere nur an David Walliams und Matt Lucas, die wir  aus der TV-Serie ‚Little Britain‘ kennen. Egal ob als ‚Andy & Lou‘ oder als ‚Emily Howard & Florence‘ verkleidet, ihre Show begann stets mit schrägen Feststellungen, wie beispielsweise dieser: ‚British justice is the best in the world. Anyone who disagrees is either gay, a woman or a mental.‘ Und unvergessen, die frühreife Vicky Pollard, von Matt Lucas gespielt, die mit Baby im Schulunterricht erschien und die Kinderkarre nach der Stunde einfach stehen liess. Darauf fragt der Lehrer: „Vicky aren’t you going to take your baby?“ und sie erwidert: „No don’t worry I’ve got loads at home.“

Ein anderes gut bekanntes Paar der Comic Szene wurde von Rik Mayall, als Richie, und Adrian Edmondson jahrelang gespielt. Adrian verkörperte den Charakter ‚Eddie Hitler‘. Ein Name, der in englischen Ohren lustig klingt, bei uns eher betretenes Schweigen auslöst. Die beiden sparten nicht mit sexuellen Anspielungen, die beim Publikum immer gut ankamen. Einmal bekommt Eddie von seinem Partner einen Tritt in den Hosenschritt. Er schreit schmerzhaft auf und gleichzeitig hört man ein lautes metallisches Klimpern. Darauf fragt Richie: „What have you got up there?“ und Eddie antwortet trocken „my testicles“. Bei einer verwandten Szene funktioniert der Witz auf ganz andere Weise. Nach dem Tritt lacht Eddie laut auf und ruft: „Ha, ha! Missed both my legs“! Soweit zur Einstimmung in den britischen Comedy-Humor.

Adrian Edmondson ist nicht nur Comedian und Schauspieler, sondern auch ein erfolgreicher Sänger und Musiker. In letzter Zeit habe ich wenig von ihm gehört, aber heute Morgen fand ich sein Bild in der Zeitung. Der inzwischen 64-Jährige lebt in London und machte das, was von Zeit zu Zeit nötig ist. Er reinigte seine Fenster. Der Montag bot sich an, denn das Wetter war gut und wegen des Maifeiertags, waren alle zu Hause und hatten Zeit. Adrian nutze sie zum Fensterputzen. Er kletterte aufs Vordach, mit Eimer und Lappen in der Hand. Beim Wischen schiebt sich das Fenster fast automatisch nach unten und dann fehlte nur noch ein kleiner Ruck, um den Schließhebel einrasten zu lassen. Wenn das Ding erst einmal den Rahmen blockiert, ist es unmöglich die Scheibe wieder hochzuschieben. So passierte es Adrian und der half sich aus der misslichen Lage, indem er einen Passanten bat, die Feuerwehr anzurufen. Die haben ihn dann per Leiter auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Etwas später twitterte Ade: „Small crowd gathered – thoroughly enjoying themselves. Fire brigade very kind and didn’t snigger too much as they rescued me. How’s your bank holiday?“