Britische Kinder lernen schon sehr früh, wie wichtig es ist, Zuversicht auszustrahlen. „Seid optimistisch“, mahnen die Eltern und Lehrer. „Versucht zu lächeln, wann immer ihr jemanden trefft“. Diese Lektion wird schnell Teil der Persönlichkeit und ist der Grund, warum man sich in der Gegenwart eines Engländers sehr wohlfühlt. Sie werden niemals auf die Idee kommen, ihre Sorgen beim Anderen abzuladen. Und das ist ein kluges Konzept. Denn wenn man diese typisch deutsche Gewohnheit praktiziert, dann wird zwar der innere Druck für einen Augenblick gelockert, aber der Zuhörer ist der Leidtragende. Er übernimmt nämlich die Last des anderen ohne die Chance damit irgendetwas Sinnvolles machen zu können. Behält man hingegen seine Sorgen für sich und erzählt stattdessen eine positive Geschichte, dann werden wahrscheinlich beide mit guter Laune ihren Weg fortsetzen. 

 

„What do you want to be when you grow up?“ fragt der Maulwurf den kleinen Jungen und der antwortet: „kind“.

Zitiert aus dem Buch ‚The Boy, the mole, the fox and the Horse‘ von Charlie Mackery. Meine Empfehlung für düstere Tage. Es hilft, garantiert.

 

Diese sehr englische Eigenschaft stets Optimismus zu verbreiten, ist genau so ansteckend wie Viren aller Art. Und leider aktuell genauso geschützt unter der unverzichtbaren Gesichtsmaske. Zum Glück kann der Engländer aber auch mit seinen Augen lächeln und zwar besser als jeder andere. Das kommt wahrscheinlich vom vielen Lachen während seines Lebens. Da graben sich tiefe Falten ins Gesicht, die eine enorme Anziehungskraft haben, denn sie wirken sehr attraktiv.

 

 

Weil das ungeschriebene Gesetz der ’stetigen Verbreitung von Freude‘ den Engländer ganz automatisch in seinen Aktionen leitet, liest sich die britische Corona-Berichterstattung ganz anders als bei uns, wo einem angst und bange werden kann, wenn man die vielen Zahlen und Statistiken zu verstehen versucht. Gestern warnten im deutschen TV Politiker vor allzu großen Erwartungen. Keine Osterferien, wahrscheinlich auch kein Sommerurlaub und wenn bei uns erst einmal die mutierten Viren Fuß fassen sollten, dann Gnade uns Gott. Und in England lese ich am selben Tag diese Schlagzeilen:

JAB MILESTONE!

BACK IN THE PUB GARDEN FOR EASTERN

HERE WE GO! SUMMER HOLS (holidays) ON CARDS

THIS MUST BE FINAL LOCKDOWN

Hört sich irgendwie anders an als bei uns, oder? Aber vielleicht sind die Engländer ja viel weiter in der Pandemie Bekämpfung? Immerhin haben sie beim Impfen die Nase weit vorne. Nirgendwo, weltweit, wurden so viele Menschen geimpft wie auf der Insel. Die Zahlen sind ein bisschen geschönt, denn bei uns zählen wir nur diejenigen, für die auch die zweite Dosis bereitliegt. In England verimpft man alles was man hat auf einmal und wartet dann drei Monate ab, bis die zweite Impfung (vielleicht) geliefert wird. Aber man hat Erfolg, denn die Ansteckungszahlen sinken rapide. Schon die erste Impfung zeigt mächtig Wirkung und das ist gut so, denn auch in England wurden die Älteren zuerst geschützt.

Sieht man sich dann die konkreten Zahlen an, dann ist es allerdings noch immer ein Trauerspiel, was dort stattfindet. Umso erstaunlicher die positive Haltung. Man ist enorm zuversichtlich und findet deshalb viel leichter die Kraft, nun auch noch die letzten Wochen im Lockdown durchzuhalten. Dabei werden die Fakten keineswegs verschwiegen. Es kommt aber auf die Verpackung an. Wenn der Premierminister voller Energie und Freude vom baldigen Ende der Pandemie spricht, dann wirkt das nun mal ganz anders als ein etwas ratloses Schulterzucken der Kanzlerin. 

 

Das sind die aktuellen britischen Zahlen. Ich finde sie ein bisschen gruselig, aber sie werden als ‚dashboard of hope‘ verkauft und prompt steigt die Hoffnung der Leute auf ein baldiges Pandemie-Ende an. Es scheint also, dass kaum einer auf die Zahlen schaut. Man verlässt sich auf den ‚Verkäufer‘. Wenn er/sie vergnügt und zuversichtlich aussehen, dann wird alles gut werden. Da ist viel Psychologie im Spiel, aber egal, es wirkt. 

Ich habe meine ganz persönliche Corona-Strategie entwickelt. Ich finde diesen zweiten Shutdown viel schlimmer als den ersten. Das liegt wahrscheinlich an der Länge, aber ganz sicher auch am Wetter. Im Winter ist die Einsamkeit schwerer auszuhalten als im Frühling. Dann kann man herausgehen, sich in die wärmende Sonne setzten und der Natur beim Aufblühen zu sehen. Das macht natürlich mehr Mut, als das ebenfalls beeindruckende Naturschauspiel der Winterstarre. Nun hat uns doch noch ein bitterkaltes Wettersystem erwischt und man hofft doch eigentlich auf den Frühling. Ich glaube aber, dass der vor der Tür steht. Denn Ende Februar ist wieder Vollmond. Das ist immer ein brauchbarer Augenblick für eine längerfristige Wetterumstellung. Jedenfalls hat der Dauerfrost den letzten Vollmond Tag genau genutzt, um sich über Deutschland einzunisten. 

Schließlich entdeckte ich aber auch ein spektakuläres Ereignis in diesen etwas unfreundlichen Tagen. Es geschieht früh morgens, nämlich bei Sonnenaufgang. Der findet regelmäßig leuchtend rot am Osthimmel statt. Das Farbspektakel dauert nur wenige Minuten. Sobald die Sonne den Horizont erreicht hat, macht sie mit ihrer eigenen Strahlkraft dem Schauspiel ein Ende. Heute Morgen war es besonders beeindruckend und da habe ich schnell diese Aufnahme gemacht.