Viele nutzen ein Wochenende in London für einen hemmungslosen Einkauf. Das Kreditkartenlimit wird ausgereizt, die leeren Koffer füllen sich erst auf der Rückreise. Ich kann es verstehen, denn die Shops in und rund um die Oxford Street sind eine Klasse für sich. Ich bin leider (?) nicht ganz so modisch interessiert und spare mein Geld lieber für eine weitere Reise, aber das soll jeder nach seinem Geschmack regeln. Worauf ich hinaus will, ist ein ganz anderer Punkt, nämlich, dass es auch für mich einen Jahreszeit gibt, in der der Besuch im eleganten Mayfair unbedingt stattfinden muss. Klar, es ist in der Weihnachtszeit. Dann sind nämlich die Schaufenster besonders bunt geschmückt, die Fassaden glitzern im Lichtermeer und die Strassen werden von leuchtenden Sternen und neuerdings auchRead More →

Kennen Sie die King Charles Street in London? Wahrscheinlich klingelt nix, obwohl Sie dort wahrscheinlich schon einmal entlang gelaufen sind. Wenn Sie sich getraut haben, denn die Strasse ist vom öffentlichen Verkehr abgetrennt und man weiß gar nicht so genau, ob man dort überhaupt einbiegen darf? Ich brauchte einige Anläufe bis ich es wagte. Und siehe da, es ist gestattet. Ohne irgendwelche Kontrollen gelangt man unmittelbar vor die Haustür der wichtigsten Ministerien. Nicht selten läuft man einem bekannten Politiker in die Arme, denn die wuseln hier von Haus zu Haus und lächeln freundlich zurück, wenn man sie mit ‘how are you?’ anspricht. Die King Charles Street verbindet Whitehall mit der Horse Guards Road und dem angrenzenden St James’s Park. Big Ben, das House of Parliament und derRead More →

Greenwich war das Zentrum der britischen Marine. Ihre Schiffe segelten ‘on seven seas’, also auf allen Weltmeeren, und deshalb empfand man es als ganz selbstverständlich, dass der Null-Meridian hier, und nur hier, durchlaufen konnte. Es gab Alternativen, beispielsweise Paris. Aber das lag auf dem Kontinent, weit weg vom Atlantik und ohne Hafen. Also völlig ungeeignet. Die Londoner hatten deshalb leichtes Spiel und erklärten ihren kleinen Stadtteil, westlich der City, am Themseufer gelegen, als Nabel der Welt. Bis heute hat sich daran nichts geändert, die GMT, die die Basis aller geometrischen Berechnungen ist, hat noch immer hier ihre Ursprung: Greenwich MeanTime. Britische Könige liessen sich schon im 15. Jahrhundert ihre Paläste in Greenwich bauen und seit 1997 ist der Ort von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärtRead More →

Wie ist es nur möglich? Plötzlich laufen alle Fäden auseinander. Eigentlich ist der Engländer ziemlich gut, wenn es um Großprojekte geht, normalerweise liefert er punktgenau ab. Aber plötzlich geht nix mehr. Der Brexit wurde schon dreimal aufgeschoben und nun hat man sich in London auch noch gründlich verbuddelt. Die dringend benötigte U-Bahnstrecke, mit dem Namen ‘Elizabeth Line’, will einfach nicht laufen. Das Superprojekt wurde bereits im Februar 2016 von der Queen eingeweiht. Damals war die halbe Strecke fertiggestellt und der Rest nur noch gigantische Bohrroutine, einmal quer unter der Stadt. Aber dann lief alles aus dem Ruder. Der Eröffnungstermin im August 2018 konnte nicht gehalten werden, man verschob die Sache um ein ganzes Jahr. Ich geduldete mich, denn ich habe natürlich ein Interesse an derRead More →

Vielleicht haben sie den Namen in letzter Zeit öfters gehört? Immerhin gibt es im Kabinett von Boris Johnson einen Minister, der den Titel ‘Chancellor of the Duchy of Lancaster’ trägt und der sich hauptsächlich mit der praktischen Vorbereitung eines harten Brexit beschäftigt. Ich spreche von Michael Gove und sage es gerade heraus: Ich mag den Mann nicht. Er hat etwas unangenehm Devotes an sich, was er schon im Kabinett von Mrs May bewies. Ein Journalist des Daily Telegraph verglich ihn mit dem perfekten Butler, der unterwürfig seinem Herrn dient und dann über die Whiskeyvorräte herfällt, sobald eure Lordschaft das Haus verlassen hat. Einen Blogbeitrag will ich Mr Gove deshalb nicht widmen, aber sein Amt ist höchst interessant. Was um alles in der Welt hat ein MinisterRead More →

Kennen sie Duck Island? Hört sich ein bißchen nach eine TV Serie an, oder? Die Insel gibt es aber wirklich und sie liegt ganz zentral in London, Westminster. Genau zwischen dem politischen und dem königlichen Zentrum, also zwischen Downing Street und Buckingham Palace. Dort findet man den St James’s Park und mitten im Teich die Enten-Insel.      Die Pelikane mögen überraschen, tatsächlich sind sie Einwanderer bzw. ein Geschenk an den Royal Park, inzwischen aber waschechte Londoner. Ihre Namen klingen noch ein wenig fremd: Isla, Tiffany and Gargi. Sie sind bereits die x-te Generation, die im St James’s Lake heimisch sind. Der erste Urahn war ein Mitbringsel eines russischen Botschafters, der 1664 London besuchte. Empfänger des Gastgeschenks war King Charles II. Das ist einige ZeitRead More →

Es soll Leute geben, die oft in London sind und irgendwann glauben alles gesehen zu haben. “Wo soll ich bloß hin? Was habe ich noch nicht besucht?”, fragen sie mich dann und ich antworte kurz und knapp mit: “Think twice”. Eigentlich ist das eher zu mir selbst gesprochen, denn immer wieder mache ich die Erfahrung etwas zu entdecken, an dem ich dutzende Male vorbeigelaufen bin. Dieses Mal war es der Supreme Court of the United Kingdom den ich lange übersehen hatte. Immerhin der ‘Oberste Gerichtshof’, die höchste juristische Instanz im Königreich. Kürzlich wurde das Gericht und seine Präsidentin, Lady Brenda Hale, im deutschen TV bekannt, als es um die Frage ging, ob die Schließung des Parlaments rechtens ist. Boris Johnson, der das angeordnet hatte, wurdeRead More →

Nie wieder London, schimpfte ich und versuchte den Pfützen auszuweichen. Schnell noch vor dem drohenden Brexit, hatte ich fünf Tage London gebucht und leider die falschen erwischt. Bisher war mir das Glück stets hold. Egal ob Tube Strike oder technischer Defekt auf der Piccadilly Line, mich traf es nie. Oft war es knapp, die Aufregung groß, aber nie hatte ich dann wirklich unter solchen Dingen zu leiden. Selbst ein Schneesturm im Januar, -nicht ganz überraschend-, legte zwar die Startbahn in Hamburg lahm, aber nach einer knappen Stunde Wartezeit, bereits an Board, war dann alles wieder geräumt. Wir flogen los und landeten bei schönsten Sonnenschein auf der Insel.     Dieses Mal sollte es schiefgehen und zwar gründlich. Ich ahnte es schon, sobald ich morgens dasRead More →

Engländer sind zum Glück sehr höflich. Touristen nutzen das aus und fragen den Einheimischen gerne ein Loch in den Bauch. (Nicht ‘hole in the belly’ sagen, sondern ‘don’t pepper me with your questions’ 😉  Besonders deutsche Rentner kommen gerne ohne ‘excuse me’ direkt auf den Punkt, versuchen es in ihrem heimischen Dialekt, den selbst ich nur mit Mühe verorten kann. Der Londoner hört trotzdem zu, versucht zu helfen und zeigt für keinen Augenblick, dass er es eigentlich furchtbar eilig hat. Seit einiger Zeit fragt man auch mich immer häufiger nach dem Weg, denn man hält mich für  eine ‘local’ und das freut mich natürlich ungemein. Es liegt wohl daran, dass ich ziemlich zielsicher durch Westminster laufe und gerne kleine Strassen als Abkürzung nutze, in dieRead More →

… is there a letter in your bag for me? Die bange Frage stellte sich mir letzten Monat, kurz bevor ich nach London reisen wollte. Ich hatte mir eine Membership Card für die Royal Palaces bestellt und die sollte natürlich unbedingt im Gepäck sein. Ich hatte etwas spät daran gedacht und so blieb nicht viel Zeit, aber ich hoffte auf schnelle Zusendung. Es klappte. Der ersehnte Brief kam rechtzeitig bei mir an. Ich staunte nicht schlecht, denn das Kuvert war wirklich nicht zu übersehen. Bunt und fröhlich bedruckt, über die ganze Fläche, so dass der Briefträger zweimal hinschauen mußte, um meinen Namen zu finden. Aber er kennt seine Kunden und lieferte pünktlich.     Die Aufmachung versprach nicht zu viel, der Inhalt war genauso interessantRead More →