Wilbur ist ein rot-weisser Kater. Ich hatte selbst einmal einen solchen ‚ginger‘ und vermisse ihn noch heute sehr. Er ist schon vor sieben Jahren gestorben, nach einem langen glücklichen Leben. Vergessen werde ich ihn nie, denn er war das wunderbarste und intelligenteste Tier, dass ich mir denken kann. Ich war deshalb sehr stolz, dass er zu mir gekommen war und nach kurzer Prüfung beschloß für immer zu bleiben. Ich habe es nie bereut den kleinen, großen Kerl aufgenommen zu haben. Wilbur erinnert mich sehr an meinen Kater Pelle, nicht nur äußerlich.

Wilbur ist in Nottingham zuhause, das liegt nord-östlich von Birmingham. Er hat sich inzwischen einen zweiten Namen erworben, unter dem er einer breiten Öffentlichkeit bekannt ist: King of Ruddington. Das ist der Name der Ortschaft, wo er lebt und zwar anfang bei einer sehr netten Lady. Eines Tage kam seine Besitzerin mit zwei weiteren kleinen Kätzchen nach Hause. Sie hatte sich breit schlagen lassen, die beiden zusätzlich aufzunehmen. Dazu ist der Engländer stets schnell bereit, denn wo zwei satt werden, reicht es auch für vier. Wilbur war allerdings anderer Meinung. Er musterte die Neuankömmlinge mit einem prüfenden Blick, drehte sich dann entschlossen um, packte sein ‚Bündel‘ und verließ das Haus für immer.

Was für ein Desaster, hätte man meinen können. Und seine Besitzerin vermisst ihn noch heute, aber Sorgen macht sie sich eigentlich keine. Wilbur ist nämlich nicht weit weggelaufen. Er hat sein gemütliches Heim gegen eine nicht minder verlockende Freiheit eingetauscht. Er blieb der Ortschaft Ruddington treu, lässt sich aber nun von etlichen Bewohner betreuen. Täglich besucht er seine Lieblingsorte, darunter ein Baubüro, ein Blumenladen und gleich zwei Pubs. Wo immer er auftaucht, ist er willkommen. Und natürlich findet er auch jeden Abend ein gemütliches Schlafplätzchen.

 

Wilburg im Büro und auf dem Tresen im Pub. Daran stört sich in England übrigens niemand. Hoffentlich besucht er die Orte zeitlich in der richtigen Reihenfolge. – Fotos: Alan Goodwin + Lesley Harper

 

Demnächst wird Wilbur zehn Jahre alt werden und seine Fans haben beschlossen ihm eine angemessene Feier zu spendieren. Sowohl im Pub als auch in der Building Society werden Parties geplant. Beide Orte gehören zu seinen Lieblingsplätzen, also kann man davon ausgehen, dass er rechtzeitig auftauchen wird. Wahrscheinlich werden Gäste von nah und fern kommen, denn Wilburg ist weit über die Grenzen seiner Heimat bekannt. Immer wieder kommen Leute vorbei und wollen den ‚King of Ruddinton‘ besuchen. Und wenn es Wilbur mal nicht so gut geht, so wie letztens als der Zahn weh tat, dann kann er sich auf seine ehemalige Besitzerin verlassen. Sie hat den schönen Namen Mrs Applebee und hat den Ausreisser nie aus den Augen geschweige denn aus ihrem Herzen verloren. Sie bringt ihn dann zum Tierarzt und übernimmt die Rechnung.

 

Kater Wilbur im Schaufenster des Blumenladens. – Foto: Cathy Applebee

 

Woher ich das alles weiß? Nun, Wilbur hat eine eigene Facebook Seite, auf die man in London aufmerksam wurde. Die BBC hatte von dem kleinen Helden gehört und schickte Reporter los. Die brachten dann die Story und die Bilder, die ich hier zeige, mit. Bleibt mir nur noch übrig Wilbur einen Happy Birthday zu wünschen. Und wenn ich dann doch mal wieder nach Birmingham komme, dann werde ich vielleicht auch einen kleinen Umweg einplanen, um den King of Ruddington einmal persönlich kennenzulernen.