Die letzten Tage waren nichts für Leute mit schwachen Nerven. Am Montag fing es prima an. England feierte die lang ersehnte Freiheit. Endlich wurden Hotels, Restaurants und Pubs geöffnet. Sogar Theater konnten wieder spielen, wenn auch nur mit reduzierter Zuschauerzahl. Am nächsten Tag (Dienstag) dann die Horrormeldung: Die indische Virus Variante war angekommen. Gleich drei Hotspots konnten identifiziert werden, einer davon London, in Hounslow. Was nun? Alles wieder dicht machen? Nein, auf keinen Fall, die Politiker blieben bei der Öffnungsstrategie. Und so konnte, wie geplant, der Tower of London am Mittwoch seine Pforten öffnen. Mit Sonnenschein und Musikkapelle wurden die ersten Besucher begrüßt – ich wäre gerne dabei gewesen. Heute ist die Stimmung wieder gekippt. Überall banges Starren auf die Infektionszahlen. Sie sind steil gestiegen, das Virus ist höchst aktiv und lässt sich nicht stoppen. Die Politiker sind ratlos, versuchen sich und den Menschen Mut zu machen, ohne genau zu wissen, was passieren wird. Man kann aktuell nur hoffen, dass die indische Variante vielleicht doch nicht so ansteckend ist und das der Impfschutz auch hier greift. Noch sammeln die Wissenschaftler Daten, deshalb sind alle Annahmen spekulativ.

Währenddessen wird im Tower gefeiert. Alle sind glücklich, dass endlich wieder Besucher kommen. Die Yeomen und natürlich auch die Raben. Sie haben die Menschen vermisst und sind froh, dass die langweiligen, viel zu ruhigen Tage, vorbei sind. Zwei von ihnen werden besonders staunen, denn für sie ist alles ganz neu. Beide wurden erst in diesem Frühjahr im Tower of London ausgebrütet. Davon hatte ich schon vor Kurzem berichtet. Jetzt kann der Nachwuchs getauft werden, denn ihre Namen stehen fest. Alle durften im Internet abstimmen und ich entschied mich für ‚Matilda‘. Aber die Mehrheit stimmte für ‚Branwen‘ ab und das aus gutem Grund. Inzwischen weiß ich nämlich, dass der Name aus der keltischen Mythologie stammt und im Englischen ‚Blessed Raven‘ bedeutet. Das ist doch ein wunderbarer Name und wenn ‚Nomen est Omen‘ wahr ist, dann wird das kleine Raben-Mädchen ein herrliches Leben haben. Ein Bruder von ihr darf auch im Tower bleiben. Er heißt ‚Edgar‘ und sein Namensgeber ist der Schriftsteller Edgar Allan Poe. Naheliegend, denn er hat das Buch ‚The Raven‘ geschrieben. Eine spannende Erzählung, die auch verfilmt wurde.

 

Branwen und Edgar sind schon richtig groß geworden. Ja, Raben fresse gerne Mäuse und genau das passiert hier gerade. Die Maus ist allerdings schon vorher getötet worden. Ein Leckerbissen wird nachmittags gereicht: Biscuit in Rinderblut getränkt. Ganz schön tricky. Die Bilder, bzw. ein tolles Video, wird vom Ravenmaster auf Twitter angeboten. Da kann man sie dann auch hören, ganz schön laut.

 

Wie wird diese Woche enden? Sie ist voller Ups & Downs, auf jeden Fall spannend. Es schien doch schon ganz sicher, das die Engländer endlich aus dem Schlamassel heraus finden, aber das trügt möglicherweise. Aktuell weiß niemand was wirklich geschieht und deshalb werden ständig widersprüchliche Botschaften gesendet. Das Chaos nimmt seinen Lauf, denn sehr viele haben spontan Urlaub am Mittelmeer gebucht. Schon am Wochenende wollen sie losfliegen. Jetzt aber ist alles binnen Stunden infrage gestellt worden und kein Mensch weiß, ob die Reisen möglich sind. Mir ist das eine Lehre, ich warte erst mal in aller Ruhe ab. In ein- bis zwei Monaten werden sich hoffentlich die Wogen geglättet haben.