Earth has not any thing to shew more fair:

Dull would he be of soul who could pass by

A sight so touching in its majesty:

This City now doth like a garment, wear

the beauty of the morning; silent, bare,

Ships, towers, domes, theatres, and temples lie

Open to the fields, and to the sky;

All bright and glittering in the smokeless air.

Never did sun more beautifully steep

In his first splendour, valley, rock, or hill;

Ne’er saw I, never felt, a calm so deep!

The river glideth at his own sweet will:

Dear God! The very houses seem asleep;

And all that mighty heart is lying still!

Dieses Gedicht kam William Wordsworth in den Sinn, als er an einem sonnigen Septembermorgen, im Jahre 1802, auf der Westminster Bridge stand und seinen Blick über die Themse schweifen ließ. William war damals 32 Jahre alt, hatte gerade geheiratet und war durch eine Erbschaft finanziell für einige Jahre abgesichert. Er hatte Zeit sich seiner Leidenschaft, dem philosophischen Gedicht zu widmen und wird heute als eines der führenden Mitglieder der britischen Romatikbewegung bewertet.

 

 

Wordsworth hatte sich einen guten Platz gewählt, nämlich die Brücke, die kurz vor der 90-Grad Kurve liegt, die die Themse unter der Waterloo Bridge macht. Diese Brücke ist mein eigentlicher Favourit, wenn es um den besten Aussichtsplatz in der Stadt geht, aber Anfang des 19. Jahrhunderts konnte der Dichter nur zwischen London- und Westminster Bridge wählen. Die anderen waren noch nicht gebaut. Auch das Victoria Embankment, am nördlichen Ufer, existierte damals noch nicht und die Themse war deshalb ein gutes Stück breiter als heute. Auf dem Satellitenbild sieht der Fluß schmutzig braun aus, aber das täuscht. Der ‘dirty old river’ ist zwar vom aufgewühlten Schlamm, den die Ebbe und Flut aufwirbelt, immer braun gefärbt, aber die Wasserqualität gehört zu den besten in ganz Europa. Um das zu erreichen, mußten gewaltige Bauvorhaben realisiert werden, beispielsweise ein riesiger Abwassersammler, der kilometerlang am Nordufer verläuft. Das ist der eigentliche Grund, warum das sogenannte Embankment gebaut wurde. Es ist nichts anderes als der Deckel über dem Sammler, der Geruchsverschluß der Kanalisation. Übrigens wird aktuell ein ganz ähnliches Projekt durch den Londoner Untergrund getrieben, diesmal allerdings mit großen Bohrschilden, wie man sie auch beim Hamburger Elbtunnel eingesetzt hat.

 

Die Westminster Bridge, dahinter der Palace of Westminster und Big Ben. Eingerüstet bis zur Halskrause. Besonders schön sind die dreiarmigen Lampen an beiden Seiten der Brücke.

 

Damals, im Jahre 1802, gab es zwei markante Gebäude am Themseufer zu sehen: Nämlich die Türme der Westminster Abbey und der Dom der St Paul’s Cathedral. Gott sei Dank haben beide Gebäude die Zeiten überstanden. Allerdings sind sie seit der Milleniumswende nicht mehr die höchsten Bauwerke in London. Ein Journalist schrieb 2002, kurz nachdem das 135 Meter hohe Riesenrad, das London Eye, errichtet worden war und man anfing erste Hochhäuser in der London City hochzuziehen: “… it may well be that we won’t see St Paul’s Cathedral at all in a few years’ time”. Zum Glück irrt der Mann, obwohl seine Erwartungen richtig waren, nämlich dass die City Skyscrapers die neue Skyline Londons bestimmen werden.

 

Wren’s Meisterbauwerk wurde Vorbild für das Capitol in Washington. Und übrigens auch für das Pantheon in Paris, was der Engländer bei einer Führung immer wieder gerne erwähnt.

 

Damals, zu Wordsworth Zeiten, standen über 50 Kirchen in der City of London. In diesem kleinen Gebiet von gerade mal einer Quadratmeile (ca. 3 km2). Das muß man sich einmal vorstellen, all die vielen Kirch- und Glockentürme. Die meisten davon sind heute noch vorhanden und fast alle Kirchen freuen sich über Besucher, die ‘nur mal gucken’ wollen. Aber der größte Unterschied zwischen der damaligen Zeit und heute, ist auf den ersten Blick gar nicht erkennbar. Damals war die City of London dicht besiedeltes Gebiet, heute leben dort nur noch sehr wenige Menschen. Laut Wahlliste haben nur 7.000 Londoner in der Square Mile ihre Wohnung. Und natürlich war London damals eine quirlige Hafenstadt, das heißt die Themse war voller Segelschiffe mit einem dichten Mastenwald bedeckt. An den Ufern standen Lagerhäuser und Fabriken. Der Handel bestimmte das Leben, daran hat sich in der City selbst bis heute nichts geändert. Allerdings werden die Geschäfte heute im Stillen, an einem Computer getätigt und nicht laut gestikulierent auf dem Billingsgate- oder Hungerford Market.

Abends gehe ich noch einmal am Südufer der Themse entlang, auf der sogenannte Southbank. Die leuchtend blaue Fassade der City Hall dominiert die Fassaden. Früher war hier das Londoner Rathaus untergebracht und heute kann jedermann dort einziehen, denn es wird als Hotel genutzt. Vor mir die Westminster Bridge, am nördlichen Ende der Brücke steht Big Ben und lots mich zuverlässig durch Westminster. Die Fassade des Palastes ist auch gegen den tiefblauen Abendhimmel gut erkennbar, sie ist ein Meisterwerk der Gothik, wenn auch sehr viel später nachgebaut. Weltweit lässt sich kein besseres Bauwerk mit filigraneren Türmchen und vertikaler Betonung finden. Am liebsten würde ich auch meine Gefühle in einem Gedicht ausdrücken, aber ich bin nicht sehr geübt. Was aber William Wordsworth am jenem 3. September 1802 empfunden haben mag, kann ich gut nachempfinden. Es ist ein großes Glück, das London’s Zauber bis zum heutigen Tag wirkt.

 

 

Und was ist das Einmalige an dieser Stadt? Ich war noch nicht viel in der Welt unterwegs, aber ich habe ein paar Reiseberichte gelesen. Ich denke Paris punktet mit seinen riesigen öffentlichen Gebäuden und Palästen  und vor allem mit den breiten, schnurgeraden und (sorry) etwas langweiligen Boulevards. Nach Rom strömen die Touristen, um die gewaltigen Ruinen aus der Vorzeit zu bestaunen und Prag sagt man nach, dass das Zentrum noch immer einem mittelalterlichen Straßenmuster folgt und es dadurch eine grandiose Wirkung ausübt. In London ist alle ungeplant, chaotisch, irgendwie heillos durcheinander gewürfelt. Nach dem genialen Christoper Wren (1632-1722) hat es nie wieder koordinierte Stadtplanung gegeben. Und trotzdem passt es, alt und supermodern harmonieren. London war immer voller Kraft, Energie und Reichtum und das Herz eines weltumspannenden Reiches. Gut, das British Empire ist untergegangen aber die großartige City, die Weltstadt London ist quicklebendig und auch noch heute unfassbar reich, faszinierend und sexy. Enjoy it.

 

Vorne der Tower of London, eintausend Jahre alt, gleich dahinter die Hochhäuser der City.

 

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