Great Britain ist nicht identisch mit United Kingdom, obwohl selbst die Briten die beiden Namen gerne durcheinander werfen. Mit ‚Großbritannien‘ ist stets die Insel gemeint, auf der die Staaten Wales, Schottland und England liegen. Natürlich gibt es auch ein Kleinbritannien, das findet sich auf der anderen Seite des Kanals, in der heutigen Bretagne, also in Frankreich. Der Engländer unterscheidet diese beiden Gebiete mit den Namen ‚Great Britain‘ und ‚Brittany‘. Auf jeden Fall leben die Engländer in Großbritannien bzw. auf ihrer Insel Great Britain. Das ist ohne Frage die größte Insel Europas und sie nimmt weltweit den neunten Rang ein.

Trotz der großen Fläche ist die See eigentlich immer vor der Haustür. Die weiteste Strecke beträgt 70 Meilen (ca. 113 km) und betrifft den beschaulichen Ort Coton in Derbyshire. Von Londons Innenstadt fährt man nur 35 Meilen (ca. 56 km) bis Southend-on-Sea. Das sind 56 Kilometer und man kann es in einer guten halben Stunde schaffen. Kein Wunder also, wenn der Engländer, und ganz besonders auch der Londoner, seine Freizeit an der See verbringt. Sobald die Sonne lockt, hält ihn nichts mehr auf. Selbst am Weihnachtstag nimmt man gerne einen ‚dip‘ im eiskalten Ozean. Das ist Tradition und anschließend schmeckt der Glühwein doppelt so gut. 

Im Sommer wird natürlich anderes getrunken, sehr gerne Gin. Die Damen im Königshaus machen es seit Generationen vor. Es ist kein Geheimnis, dass Queen Elizabeth das Getränk gerne mit einem Schuss Dubonnet (Wermut ähnlich) mixt. Ihr Rezept lautet: Einen Teil Gin, zwei Teile Dubonnet, auf Eiswürfel und mit einem Scheibchen Zitrone garniert. Sie sagt selbst: „I enjoy it immediately before lunch.“ Das ist gut zu wissen, es gibt also keinen Grund bis fünf Uhr zu warten. In diesem Sommer kann man das Glas besonders stilvoll füllen. Denn erstmals wurde vom Buckingham Palace eine eigene Gin Abfüllung verkauft. Die limitierten Flaschen gingen reißend weg, obwohl der kostbare Inhalt stolze 40 Pfund kostet. Natürlich ist die Hauptzutat der Wacholder, aber die Kunst eines guten Gins besteht in der Auswahl aller Kräuter. Und die stammen im Royal Dry Gin allesamt aus dem Garten des Buckingham Palace. Handgepflückt von der Familie oder wohl eher dem Gärtner. Man will damit die Kasse auffüllen, die unter dem Ausbleiben von Touristen gewaltig gelitten hat. Na dann prost. Hoffentlich hat der Palast eine Lizenz zum Schnappsbrennen.

Rechts: The New Palace Gin, in der kleinen Flasche. Bald wieder im Royal Collection Shop erhältlich online oder in der Filiale in London, gegenüber vom Buckingham Palace.

Zurück an die Küste bzw. zu den Strandhütten, die so farbenfroh an vielen Stränden aufgereiht sind. Ich mag sie leiden, sie sind typisch englisch. Jede Hütte hat einen Eigentümer, der nicht selten Jahre gewartet hat, bis sich die Gelegenheit zum Kauf anbot. Normalerweise werden die Beach Huts von Generation zu Generation vererbt. Sie haben weder Wasser noch Strom, sind zu klein zum Bewohnen und bieten gerade genug Platz für zwei Stühle vor der Tür. Dort sitzt man von März bis Oktober, genießt die Sonne, kuschelt sich in dicke Decken und lauscht dem Rauschen der See. Man träumt vom stolzen Weltreich, das den Globus umspannte, und lässt die Spanier und Franzosen noch einmal in Gedanken genussvoll vor Trafalgar untergehen. Vielleicht nippt man dabei an einem Gin-Cocktail und wahrscheinlich liegt der Hund unter dem etwas wackligen, aber ganz bequemen, Klappstuhl.

Eigentlich doch eine nette Alternative zum Italien Urlaub. Warum an den überlaufenden Strand gehen, wenn man hier ganz privat sein kann. Es gibt allerdings einen Haken bei der Sache und das ist die Hütte selbst. Man kann sie nicht irgendwo hinbauen. Sie werden auch selten vermietet. Man muss sich schon eine kaufen und da wird es dann sehr britisch. Die Dinger kosten nämlich ein kleines, ach was sag ich denn, sie kosten ein riesiges Vermögen. Gerade wurde eine Beach Hut angeboten und in ziemlich kurzer Zeit verkauft. Sie steht in Dorset, am Strand von Christchurch. Der Ort ist Krimifreunden ein Begriff. Das gut erhaltene Stück, mit winziger Veranda, hat £325.000 gekostet. Das sind 360.000 Euro. Ein stolzer Preis, ungefähr 90.000 Euro pro Quadratmeter. Irgendwie ein bisschen überteuert, oder? 

 

Auch im Urlaub mag der Engländer es gerne Seite an Seite. Ähnlich wie die Londoner Reihenhäuser, die terraced houses, kleben auch die Strandhütten eng aneinander. Ein Wunder, das man keinen Zaun zum Nachbarn zieht, aber die Fläche rundherum gehört nicht zum Besitz.

 

 

Nachtrag: Gerade habe ich es in der Zeitung gelesen. Jedes Jahr unternehmen 271 Millionen Engländer einen Ausflug an die Küste. Da es nur 56 Millionen Einwohner gibt, heißt das, dass im Durchschnitt jeder von ihnen fünfmal jährlich an die See fährt. Dabei wurden nur die Ausflüge gezählt, die der Erholung dienten. Es scheint genetisch bedingt zu sein. Die Seefahrt ist das zentrale Erbe der Engländer und jeder hat mindestens einen Marinehelden unter den Vorfahren. Generell entfernen sie sich nicht gerne vom Meeresstrand. Immerhin leben mehr als 22 Millionen von ihnen nicht weiter als fünf Meilen vom Strand entfernt. Das sind acht Kilometer und die kann man sogar zu Fuß zurücklegen.

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