Tipps für Autisten? Bei uns eine Rarität, in England Normalität. Auf Webseiten findet sich oft die Rubrik ‘autism’. Die Angebote dort sind nicht nur für Autisten interessant, sondern für jeden, der sich in fremder Umgebung unwohl fühlt. Ich habe eine Form des Ausperger Syndroms und kann deshalb meine Sinneswahrnehmung kaum filtern. Alles strömt ungebremst in mein Gehirn und überfordert mich dann schnell. Ich kann zwar anschließend viel mehr Details als andere erinnern, aber das ist nicht immer von Vorteil. Also versuche ich Zeiten zu nutzen, die nicht nicht so stark frequentiert sind. In London nicht einfach, da laufen nun mal jährlich knapp 20 Millionen Touristen mehr oder weniger dieselben Strecken ab. Und doch gibt es ruhige Zonen, fast menschenleere Orte, die man kennen sollte, falls man betroffen ist.

Wenn Sie also menschenscheu sind, sich in lauter oder fremder Umgebung unwohl fühlen oder einfach gerne gegen den Strom schwimmen, dann werden Ihnen meine Erfahrungen helfen. Alle Orte habe ich selbst ausprobiert, oft erst nach langen Suchen gefunden. Wer allerdings glaubt, dass hier die ‘Extrawurst’ geboten wird, hat das Handycap des Autisten nicht verstanden. Die erste Regel für alle Betroffenen ist so selbstverständlich, dass ich sie eigentlich gar nicht erwähnen muß. Nämlich, dass man sich zeitlich von der Mehrheit abgrenzt. Ich erobere mir die Stadt am frühen Morgen. Kaufe mir ein Ticket für die weniger geliebten Zeiten oder plane meinen Museumsbesuch am Wochenanfang. Konsequent ist auch ein Reisetermin jenseits der begehrten Zeiten. Ich war sowohl im November als auch im kalten Januar in London und habe es nicht bereut. 

In England ist man als Autist jederzeit willkommen. Generell nimmt man Rücksicht auf Menschen mit Handicap aller Art. Fragen Sie also ungeniert nach speziellen Terminen. Das gilt für die Museen, Theater und Kinos. Inzwischen gibt es auch Restaurants (Gate in Islington), die eng mit der National Autistic Society zusammenarbeiten. Auch dort können Sie sich informieren. Und einmal im Jahr, nämlich am 2. April, taucht das London Eye in rosa Licht ein. Es ist die Farbe der Autisten und es signalisiert den World Autism Awareness Day.