Das Portcullis House gehört zum Parlament und steht gleich gegenüber in Westminster

Lieber gleich eingestehen, dass der Titel etwas hingebogen ist. Meines Wissens gibt es nur die ‘millon dollar question’, egal in welchem Land sie gestellt wird. Aber die Feinheiten übersehe ich mal, denn es geht um viel gröbere Fehler. Ja, manche sprechen von unverzeihlichen Fehlern und finden schnell Zustimmung unter den Kollegen. Damit sind die Parlamentariere gemeint, die im House of Commons über Brexit und Coranavirus diskutieren, schließlich aber bei ganz handfesten Dingen hängenbleiben. Der Abgeordnete Jacob Rees-Mogg hat sich zu Wort gemeldet und beklagt den Zustand der Nation. Er ist nicht irgend jemand, sondern millionenschwerer Eaton und Oxford Absolvent, der u.a. mit seiner provakant entspannten Sitz-Liegeposition während der alles entscheidenden Brexit Abstimmung auffiel. Ziemlich lümmelhaft hatte er sich auf der grünen Lederbank lang gemacht, wohl wissend, dass das von den TV Kameras live übertragen wird. Inzwischen ist er der Leader of the House, also für seinen EU Protest gut belohnt worden. Vergessen wir den Mann ganz schnell wieder und reden wir lieber über das Thema, dass ihn vor wenigen Tagen so sehr auf die Palme gebracht hatte. Er hatte nämlich bemerkt, dass der Union Jack, auf dem Dach des Portcullis House falsch herum gehisst worden ist. Und das nicht nur einen Tag lang, sondern gleich mehrere Tage nacheinander. Unfassbar, was für ein Skandal. Im Portcullis House haben die Parlamentarier ihre Büros und es liegt genau gegenüber von Big Ben, auf der anderen Strassenseite. Dass man auf diesem Gebäude die Nationalflagge kopfüber aufzieht, war für Mr Rees-Mogg zuviel. Wer immer dafür verantwortlich war, sollte sofort in den Tower gesperrt und bei Wasser und Brot über seine Schandtat nachdenken.

Den Union Jack kennen wir alle. Er ist überall zu sehen, denn die Engländer sind stolz auf ihre Flagge. Und irgendwie ist sie auch sehr dekorativ. Tiefblauer Grund, mit einem weissen und roten Kreuz. Die sind diagonal gezeichnet und so kommt es, dass ein unverkennbaren Mittelpunkt entsteht. Ja, eigentlich ist das ganze Ding punktsymmetrisch angelegt und da stellt sich schon die Frage, wo denn da oben und wo unten sein soll??? Wissen Sie es? Ich helfe mal ein bißchen und zeige Ihnen vier Jacks. Und Sie sagen mir, welcher davon richtig herum abgebildet ist:

 

 

Was?! Sie können keine vier Flaggen erkennen. Schauen Sie noch einmal genau hin, ich habe einen extra breiten Abstand gelassen, das ist doch wirklich nicht so schwer. Zwei Flaggen oben und zwei darunter. Aber richtig herum sind nur zwei davon. Finden Sie sie heraus? 

Während Sie noch nachdenken, schiebe ich mal kurz eine Anfrage eines (erwachsenen) Engländers nach, die er anlässlich der Corona Gefahr stellte. Sie ist ernst gemeint und kann so auch nur in einem britischen Kopf heranreifen: “Are there any statistics about coronavirus patients who drink alcohol? As alcohol acts as hand sanitiser, does alcohol itself protects from coronaviruses and viruses in general?“ Der Arzt, der offensichtlich auch nichts Komisches an der Frage finden konnte, antwortete deshalb ganz artig: “If anything, drinking alcohol may make people more vulnerable as it can damage the immune system, allowing more bacteria to pass into the blood and harming virus-busting cells.“ 

Generell ist es für mich sehr interessant zu verfolgen, wie die Engländer und wie die Deutschen mit der biologischen Bedrohnung umgehen. Der Unterschied ist gewaltig und man lernt eine Menge über nationale Mentalität. Für den Engländer gilt wie immer ‘keep calm and carry on’. Das ist allerdings leichter gesagt, als getan. Nirgends in Europa gibt es weniger Krankenhausbetten als in England. Für 1.000 Bürger stehen bei uns ca. 8,5 Betten zur Verfügung und in England lediglich 2,3 und da kommt man dann ganz schnell an die Grenze. Aber zum Glück neigen die Briten nicht zur vorauseilenden Panik, sie warten gelassen ab und vertreiben sich die Zeit bis zur Katastrophe erst einmal mit ein paar Späßchen. Aus dem Unvermeidbaren das Beste machen lautet ihre Divise. Und das zeigte ein Souvenir Shop Verkäufer auf eindringliche Weise. Er leidet unter dem Touristenmangel in London und diejenigen, die dort sind, drängen eher in die Drogerie, wo sie sich mit Schutzmasken versorgen wollen. Die sind aber längst ausverkauft. Also sagte sich der pfiffige Shop Besitzer, da muß ich mich und mein Angebot anpassen. Ein prüfender Blick, blieb auf den Union Jack Tangas hängen. Damit lässt sich doch etwas anfangen, dachte sich der Mann und schon setzte er sein Idee um. Inzwischen rennen einige Londoner mit den schicken Masken herum, fühlen sich geschützt und amüsieren sich einen Ast. So gefällt es ihnen, so kann man allen Bedrohungen ganz gelassen ins Auge sehen.

 

 

 

Fast hätte ich es vergessen. Wie geht das denn nun mit der Flagge? Hier die offizielle, richtige Handhabung: ’The wider diagonal white stripe must be above the red diagonal stripe in the top half of the flag nearest to the flagpole. This is because the St Andrew’s cross takes precedence over the St Patrick’s cross, as it was added to the flag first.’ – Allerdings ist es schwer zu entscheiden, ob der Tanga richtig im Gesicht hängt. Hier muß man nämlich erst einmal klären, wo denn der Fahnenmast zu sehen ist? Ich denke in der ursprünglichen Nutzung als sexy pants ist alles richtig, oder?

 

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