Vor 75 Jahren kapitulierte das Deutsche Reich und damit verstummten die Geschütze in Europa. Die bedingungslose Kapitulation erfolgte am 8. Mai 1945, aber meine Heimatstadt Hamburg, hatte sich bereits am 3. Mai den Engländer kampflos übergeben. Ein großes Glück für die Hansestadt, denn damit blieb ein Strassen- und Häuserkampf aus. Karl Kaufmann, der Kommandant, der inzwischen zur Festung erklärten Stadt, handelte gegen den Befehl des Führers. Glücklicherweis hatte der sich drei Tage vorher erschossen und damit für noch mehr Chaos auf der Befehlsebene gesorgt.

Trotzdem war Kaufmanns Entscheidung, die Stadt nicht zu verteidigen, ein für ihn und seine Vertrauten lebensgefährlicher Plan, denn sollte irgendjemand die Absicht erkennen, dann wären alle auf der Stelle erschossen worden. Und so manövrierten sich Kaufmann und sein Mitarbeiter, General Wolz, durch die Zeit vom 18. April bis zum 3. Mai 1945. Damals, mitte April, konnte man erstsmal Kontakt zu den Briten über einen Mittelsmann aufnehmen, der ihnen in Stockholm die Kapitulation Hamburgs anbot. Eine streng geheime Aktion. In der Stadt befanden sich damals ca. 680.000 Frauen und Kinder. Viele von ihnen wären getötet worden, wenn die friedliche Übergabe nicht funktioniert hätte.

Auf britischer Seite war Feldmarschall Bernard Montgomery der verantwortliche Mann. Wir Hamburger haben ihm zu danken, dass er umsichtig und human handelte. Das war nicht unbedingt zu erwarten, denn auch die Briten hatten im Vormarsch auf Hamburg Konzentrationslager entdeckt. Sie befreiten Gefangene in Bergen-Belsen und Neuengamme, und waren beim Anblick der Toten und Überlebenden zutiefst geschockt.

Meine Eltern erzählten mir manchmal von den Briten, die bis September 1949 in Hamburg blieben. Sie waren froh, dass es nicht die Russen waren. Die hatten sich nämlich ein Wettrennen mit den britischen Besatzern geliefert. Schließlich war es aber Montgomery, der einen Wimpernschlag früher die Elbe erreichte und so konnte er Norddeutschland für seine Nation beanspruchen. Ich war damals natürlich noch nicht auf der Welt, das sollte erst zehn Jahre später passieren, aber ich fühle mich doch irgendwie persönlich berührt. Deshalb will ich die Gelegenheit nutzen und 75 Jahre nach Friedensschluß gemeinsam mit Engländern feiern. Natürlich in London, wo langsam die Planungen zu dem Ereignis konkreter werden. Davon werde ich in den nächsten Wochen, in loser Folge berichten.

Die Briten begreifen den VE-Day (Victory in Europe Day) nicht alleine als Sieg über Nazideutschland. Sie wählen bewußt den Begriff VE-Day, weil es für sie der Friedensschluß in ganz Europa war. Nach einem Krieg, der für sie viele Ursachen hatte und dessen Gründe sie nicht alleine in Deutschland suchten. Mit dem Begriff ‘Kapitulation’ können sie die Ereignisse im Mai nicht zusammenbringen. Bei aller Freude am 8. Mai hatten die feiernden Briten natürlich nicht vergessen, dass ihre Truppen in Fernost noch immer im Kampf standen. Erst als Japan am 15. August 1945 sich ergab, war für die Allierten der Zweite Weltkrieg beendet.

Der Artikel, im Foto oben, erschien am Donnerstag, 3.5.1945, in der englischen Tageszeitung Daily Telegraph. Ich habe den Inhalt abgeschrieben und nachfolgend frei übersetzt. Die Nachricht war auf der Titelseite abgedruckt und darunter eine zweite Meldung aus Hamburg, die vom Einmarsch der siebten Armee berichtete. Dort ging es um das entscheidende Treffen zwischen General Wolz und General Dempsey. Es war der Moment, als Hamburg bedingungslos kapitulierte und Wolz die Stadt an den britischen General übergab. Ohne Frage eine letzte, sehr späte Rettung, um nicht unwiderbringlich dem Untergang geweiht zu sein.

 

 

HAMBURG TOLD ‘STAY INDOORS’

I drove past thousands of armed Germans to-day to enter Hamburg. Germany’s second city. Germans lined the streets of the western suburbs. Inside the city itself the streets were empty. The population was indoors.

The Bürgermeister, who was dressed in a cheap blue suit, said: “There must be no shooting when your Army commander arrives. All the people have been ordered to their houses.”

The worst air raid was in July, 1943, when more than 5.000 men were killed. There are about 1.000.000 people left.

Half of the buildings in Hamburg have been destroyed. Less than one third of the city is still habitable.

The western approach to Hamburg is a huge wasteland. Burned-out tenements, razed blocks of buildings and the charred remains of homes put it to a class with Munster and Cologne.

The assistant harbour-master said the dock area was damaged, but could be used.

At 2.30 p.m. a German general, -they say it is Busch, commander of the northern group of armies-, waggered by.

The first British unit to reach the centre of the city, led by Major A. C. Polkington, of St Helens, Lancashire, was received by Kahrl, the police chief.

DEN HAMBURGERN WURDE GESAGT ‘BLEIBT IN DER WOHNUNG’.

Ich bin heute an Tausenden von bewaffneten Deutschen vorbeigefahren, um nach Hamburg einzureisen. Die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Zivilisten säumten die Straßen in den westlich gelegenen Vororten. In der Stadt selbst waren die Straßen leer. Die Bevölkerung war in den Häusern.

Der Bürgermeister, der in einem schäbigen blauen Anzug gekleidet war, sagte: “Es darf nicht geschossen werden, wenn Ihr Heeresführer eintrifft. Alle Menschen wurden in ihre Häuser beordert.”

Der schlimmste Luftangriff fand im Juli 1943 statt, bei dem mehr als 5.000 Menschen getötet wurden. Es sind noch etwa 1.000.000 Menschen übrig.

Die Hälfte der Gebäude in Hamburg wurde zerstört. Weniger als ein Drittel der Stadt ist noch bewohnbar.

Der westliche Zugang zu Hamburg ist eine riesige Brachfläche. Ausgebrannte Mietskasernen, abgerissene Gebäudeblöcke und die verkohlten Überreste von Häusern machen es zu einer Zerstörungsklasse mit Münster und Köln.

Der stellvertretende Hafenmeister sagte, das Hafengebiet sei zwar beschädigt, könne aber genutzt werden.

Um 14.30 Uhr traf ein deutscher General ein, sie sagen, es sei Busch, der Kommandant der nördlichen Armeegruppe.

Die erste britische Einheit, die das Zentrum der Stadt erreichte, angeführt von Major A. C. Polkington aus St. Helens, Lancashire, wurde vom Polizeichef Kahrl [Stadthalter Karl Kaufmann wird gemeint sein] empfangen.

 

 

 

2 Kommentare

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