Kennen sie Duck Island? Hört sich ein bißchen nach eine TV Serie an, oder? Die Insel gibt es aber wirklich und sie liegt ganz zentral in London, Westminster. Genau zwischen dem politischen und dem königlichen Zentrum, also zwischen Downing Street und Buckingham Palace. Dort findet man den St James’s Park und mitten im Teich die Enten-Insel. 

 

Statt Enten sitzen meistens drei Pelikane auf dem Felsen im Parkteich. Im Hintergrund die Brücke, die über den St James’s Park Lake führt. Dahinter ist ein Teil der Fassade des Buckingham Palace zu sehen.

 

Die Pelikane mögen überraschen, tatsächlich sind sie Einwanderer bzw. ein Geschenk an den Royal Park, inzwischen aber waschechte Londoner. Ihre Namen klingen noch ein wenig fremd: Isla, Tiffany and Gargi. Sie sind bereits die x-te Generation, die im St James’s Lake heimisch sind. Der erste Urahn war ein Mitbringsel eines russischen Botschafters, der 1664 London besuchte. Empfänger des Gastgeschenks war King Charles II. Das ist einige Zeit her, aber seitdem gibt es hier, mitten in London, beständig Pelikane. Kein Wunder, denn sie werden bestens umsorgt. Täglich um 14:30 Uhr kommt der Parkwächter aus dem kleinen Haus am Ufer, mit einem Eimer in der Hand, darin leckere frische Fische. Das Füttern dauert eine knappe halbe Stunde und ist nicht nur für Fotografen ein großer Spaß. 

 

Der Bauch ist rund, die Fische sind verdrückt. Alle sind zufrieden. Alle? Nein, ein besonders gefräßiger Pelikan ist nach der Fütterung regelmäßig zum London Zoo im Regent’s Park rübergeflogen und hat sich dort ein zweites Mal angestellt.

 

Wenn ich in London bin, gehe ich fast täglich die Horse Guards Road entlang, die mich direkt an dem Teich vorbeiführt. Ich kenne die Gegend also bestens und achte nicht mehr besonders auf die Tiere, die dort leben. Auch das kleine Häuschen, das so gar nicht zwischen die Londoner Prachtbauten auf der anderen Strassenseite passen will, hat ein wenig seinen Reiz für mich verloren. Allerdings am Abend ist es noch immer einen Blick wert, denn auch in den Parks wissen die Londoner mit künstlichen Licht Stimmung zu machen. Interessant fand ich auch, dass der Garten im Sommer für die Anzucht von Gemüse dient. Ein typischer Anblick, denn die Engländer verbinden ihre Liebe zum Garten gerne mit dem Nützlichen. Besonders jetzt, nachdem das Britische Pfund binnen der letzten vier Jahre fast dreißig Prozent seines Werts verloren hat, ernährt sich so manche Familie mit den Produkten aus dem eigenen Garten.

 

 

 

 

Gerade war ich wieder in London und als ich am Duck Island Cottage entlang gehe, da staune ich nicht schlecht. Da sehe ich auf dem Felsen im Teich eine ganze Pelikanschar und kann das erst einmal gar nicht einordnen. Gab es Nachwuchs? Aber wann und können die Kleinen schon so groß sein. Und überhaupt, sind das nicht viel zu viele? Ich weiß es nicht zu beantworten und mache erst einmal ein paar Fotos. Mal sehen, ob ich jemanden finde, der mich aufklären kann.

 

Dieser Felsen im See ist nicht die Duck Island, sie liegt dahinter, aber es ist der Pelican Rock, wo die Vögel sich gerne aufhalten.

 

Und ich finde schon bald jemanden, der mir die ganze Geschichte erzählt. Auf dem Bild sind tatsächlich sechs Pelikane und unzählige Komorane zu sehen. Sie sind kleiner und schwarz. Alle scheinen sich gut zu vertragen, obwohl die Pelikane klar in zwei Gruppen geteilt sind. In der Mitte, ganz oben auf dem Felsen, verteidigen die alten Kumpel ihr Revier. Eine Stufe tiefer stehen die Neuankömmlinge. Sie sind ein Geschenk des Prager Zoos und kamen schon im Sommer in London an. Übrigens nicht die ersten Pelikane, die im Prager Zoo zur Welt gekommen sind und jetzt in London leben. Zunächst wurden sie von der Öffentlichkeit unbemerkt an die neue Umgebung gewöhnt. Und Isla, Tiffany und Gargi erhielten Gelegenheit die Neuen kennenzulernen. Es ging ohne Probleme, inzwischen ist man gut bekannt, wenn auch noch nicht dick befreundet. Noch hält man Kontakt zum eigenen Trio, aber man akzeptiert sich gegenseitig. Die Namenstaufe hat auch schon stattgefunden: Sun, Moon and Star heißen die neu angekommenen Pelikane. Sehr clever, sehr gender neutral. Ich hoffe aber, dass jetzt genug Vögel zusammen gekommen sind, um vielleicht im nächsten Jahr an Nachwuchs zu denken. Was die Raben im Tower können, wird doch wohl auch hier gelingen können, oder? Ich will aber niemanden drängen, die Liebe braucht Zeit. Auf jeden Fall sind die sechs stattlichen Wasservögel schon jetzt ein Hingucker. Sie können einen stundenlang unterhalten und das scheinen sich auch die Kormorane zu denken. Jedenfalls habe ich noch nie soviele von ihnen gemeinsam an einer Stelle gesehen. Ab sofort werde ich bestimmt wieder die Straßenseite wechseln, sobald Duck Island in Sicht kommt. Und die Fütterung schaue ich mir auch noch einmal an. Mit sechs gefräßigen Pelikanen kann das eine ganz lustige Sache werden.

 

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei