Hamburg-London ist ziemlich genau wo weit wie Hamburg-Wien.

Hamburg – London, 720km Luftlinie, 80-90 Flugminuten. Zeitdruck macht mich nervös. Andere brauchen es um aktiv zu werden. Ich gehöre zu den entspannten Typen, die rechtzeitig losgehen, ein Zeitpolster einrechnen und deshalb nie zu spät kommen. Ja, ich weiß, ein bißchen langweilig, aber mit gesunden Blutdruck. Wenn ich also nach London fliege, dann bin ich zwei Stunden vor Abflug am Flughafen. Wäre nicht nötig, denn ich habe nur Handgepäck und das Ticket ist auch schon ausgedruckt, aber ich gönne mir den Vorlauf trotzdem. Statt zuhause von einem Zimmer ins andere zu tigern, sitze ich lieber ganz gemütlich in der British Airways-Lounge, trinke Kaffee, dazu ein frisches Croissant und stecke noch ein bißchen Obst für später ein. Ich will London geniessen und das beginnt hier am Hamburger Flughafen. In Heathrow angekommen, nehme ich immer die Piccadilly Underground, die mich direkt zum Hotel in Covent Garden bringt. Von eigener Haustür bis Hotelportal brauche ich ziemlich genau fünf Stunden, die aber dank Zeitzone real nur vier Stunden ausmachen. Beim Rückflug werden daraus dann sechs, aber das ist egal, denn dann fühlt sich sowieso alles ganz anders an. 

Das Flugzeug nimmt ziemlich genau die Route, die der Luftlinie entspricht. Erst geht es Richtung Holland, dann über den Ärmelkanal bis zur Themsemündung und schließlich immer dem Fluß folgend, Richtung Westen. Neuerdings müssen die Flieger aber oftmals weiter nördlich anlanden. Das ist ein bisschen schade, denn was ist schöner, als der Themse zu folgen, die Canary Wharf mit ihren Hochhäusern zu entdecken, dann den Tower und die Bridge, dahinter die City of London und schliesslich die prachtvollen Bauten am Strand bis zu Trafalgar Square aus ungewohnter Perspektive anzusehen? Statt dessen also eine weniger spektakuläre Aussicht, aber nicht minder interessant. Wenn die Flugzeuge vom Nord-Osten anfliegen, dann kann man sich an ein paar markanten Punkten gut orientieren. Da ist zunächst die Ringautobahn M25 (M=motorway), sechsspurig, die die Grenze von Greater London markiert. Sie umschließt die Stadt kreisrund. Die Junction ‘Hobbs Cross’ ist kaum zu übersehen. Ich glaube, dass sich an der markanten Strassenkreuzung auch die Piloten orientieren, denn sie fliegen immer schnurstracks diesen Punkt an. Gleich danach ist der dichte Wald von Epping im Blick und dahinter der River Lee. Er wird in großen, langgezogenen Teichen gestaut. Sie dienen als Trinkwasser Reservoir für London und man kann sie gut aus der Luft ausmachen.

Danach fliegt man schon über Stratford, wo das Olympia Gelände 2012 entstanden ist. Auch das ist gut zu sehen, vor allem das große Stadion, wo heute der Fußballclub West Ham seine Heimspiele austrägt. Weiter geht es über Bromley und Limehouse in Richtung Themse. Das schneeweisse und kreisrunde Dach der O2 Arena, gegenüber der Isle of Dogs, fällt auf und natürlich die Skyscraper auf der Canary Wharf. Die Landebahn des City Airports ist gut erkennbar, -wenn auch erstaunlich klein und mitten im Häusermeer gebaut-, und nun folgt meistens doch noch das große Finale, nämlich der Landeanflug immer entlang an der Südseite der Themse. Wenn man Glück hat, wird der Pilot in ein paar Warteschleifen geschickt, das finde ich jedesmal wunderbar. Mir kommt es auf die paar Minuten nicht an, dafür wird mir London gleich mehrmals nacheinander aus bester Sicht gezeigt. Andere zahlen für einen solchen Rundflug viel Geld, bei BA bekommt man es als Bonus gratis. Und bei dieser Gelegenheit zücke ich dann das Smartphone und mache Fotos so gut es geht. Ein paar davon will ich hier zeigen, sie sind in der richtigen Reihenfolge, also ab M25 bis Heathrow. Anschnallen, Rückenlehne hochstellen und geniessen.

 

 

 

 

 

 

 

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