Wer nur wenig Zeit hat, aber trotzdem das Beste von London sehen möchte und es sich gerne bequem präsentieren lässt, dem empfehle ich eine Bootsfahrt auf der Themse. Die Schiffe, Katamarane, können zwischen Westminster und Tower Bridge an vielen Piers bestiegen werden. Wer will, kann westlich und östlich weiter fahren, beispielsweise bis Greenwich. Aber in Londons Zentrum habe ich die schnellen Fähren längst als erstklassige Alternative zum Bus entdeckt. Man nennt sie River Bus (Linien: RB1 – RB6) und sie fahren im Auftrag des Londoner Nahverkehrs. Deshalb sind die Tickets, wie beispielsweise die weitverbreiteten prepaid Oyster Cards, an Bord gültig. Allerdings wird der Fahrpreis nicht wie bei Underground + Bus üblich auf das Tagespreislimit angerechnet. Es kann sich also rechnen, eine River Bus Tageskarte für ca. £17 zu kaufen, mit der man dann ‘hop-on-hop-off on the Thames’ machen kann. Für die lange Strecke von Westminster bis Greenwich zahlte ich knapp £7, das ist allerdings auch von der Tageszeit abhängig. Auf den Piers finden Sie immer einen Mitarbeiter, der gerne Auskunft gibt und hilft wo immer er/sie kann. (Diese Aussage gilt übrigens immer unter dem Prinzip ‘wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus’. Die Engländer formulieren kürzer, meinen aber dasselbe: ‘What goes around, comes around’.)

 

River Bus Themse
Es geht los. Die Waterloo Bridge wird schnell kleiner, denn das River Bus nimmt jetzt mächtig Fahrt auf.

 

Weil sich die Sehenswürdigkeiten inzwischen an beiden Ufern der Themse Seite an Seite präsentieren, hat man von der Flußmitte aus den besten Blick auf all diese architektonischen Herrlichkeiten. Die Zeiten als das Südufer Hafenviertel war, sind lange vorbei. Wer ganz neu in der Stadt ist, sollte unbedingt einmal river up und gleich wieder down schippern und sich dabei jeweils auf nur eine Uferseite konzentrieren. Ansonsten zieht unter Garantie etwas unbemerkt vorbei. Die Schiffe sind ziemlich schnell, extrem beweglich und werden jenseits der Tower Bridge richtig rasant. Wer dann noch steht, sollte sich tunlichst festhalten. Leider gibt es nur eine kleine, offene Plattform am Heck der Fähren, aber meistens sind die Schiffe nicht voll besetzt und dann kann man dort sehr gut sitzen oder stehen und nach Herzenslust fotografieren. Einen stabilen Stand sollte man allerdings haben, am besten an eines der vertikalen Pfosten klammern, um nicht umzufallen. Ich bin da klar im Vorteil, denn ich bin schließlich eine ‘Hamburger Deern’, also seetüchtig geboren. Unter Deck finden sich überraschend viele bequeme Sitze und man kann durchaus auch von dort durch die Fenster Fotos schießen. Die Scheiben sind zwar meistens vom Gischtwasser besprüht, aber wenn man richtig auf die weiter entfernten Motive scharf stellt, dann sieht man davon später auf dem Bild nix mehr.

 

River Bus auf der Themse
Bequeme Sitze finden sich im Inneren der River Bus. Am Heck ist eine offene Plattform mit weiteren Sitzen. Achtung wenn der Captain Gas gibt, dann wird man hier auch schon man richtig nass.

 

Als ich diese Fotos gemacht habe, war ich auf dem Weg nach Greenwich. Ein wunderbarer Ausflug zu einem bildschönen Ort westlich von London, aber das ist einen separaten Beitrag wert. Auf der Fahrt dorthin galt meine Aufmerksamkeit ganz besonders der Tower Bridge. Und zwar ausnahmsweise mal nicht in der weltbekannten Ansicht frontal von vorne oder hinten, nein, diesmal achtete ich mit Luchsaugen auf die dicken Steinpfeiler, die dem Bauwerk Halt im Fluss geben. Ich war mir nicht sicher, ob ich die gesuchten Eisenringe sehen könnte, denn das ist immer vom Tidestand abhängig und der macht hier leicht mehr als sechs Meter zwischen Ebbe und Flut aus. Aber ich hatte Glück, die Ringe waren freigelegt und ich war schnell genug ein scharfes Foto zu machen:

 

U-Boot Netze Tower Bridge

 

Ich denke das Foto wird sie erst einmal enttäusche, es ist doch recht übersichtlich, oder übersehen Sie etwas? Nein, aber wenn man die Bedeutung der mächtigen Ringe kennt, dann bekommt das Bild eine ganz andere Aussage. Hier handelt es sich um das Befestigungssystem für schwere Eisennetze, die quer durch den Fluß gespannt wurden. Sie dienten als Fangsperre für deutsche U-Boote während der Weltkriege. Mit anderen Worten, der Feind konnte unter günstigen Umständen bis zur Tower Bridge unbemerkt vordringen. Alles sehr gespenstisch, jedenfalls für mich. In London erfahre ich immer wieder ziemlich späten aber umso eindringlicheren Geschichtsunterricht. Und es lässt sich noch etwas anderes auf dem Bild erkennen oder zumindest erahnen. Die Themse gehört zu den saubersten Flüssen in Europa! Die stets braune Farbe stammt einzig vom Sediment, dass durch die heftigen Gezeiten ständig aufgewühlt wird. Die Strömung ist gewaltig und Baden lebensgefährlich. Also immer schön festhalten, wenn Sie mit einem River Bus unterwegs sind.

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